(m/w/d)

4 03 2019

„Dann haben wir die Nummer 389: Kommt eine Frau zum Arzt und…“ „Nee!“ „Geht ja gar nicht!“ „Nächster.“ „Aber…“ „Wir hatten die Diskussion doch schon vorhin, das ist dann wieder ein Fall für die Gleichstellungsbeauftragte, und Sie wissen, wie gerne ich die blöden Kuh sehe.“

„Wir haben doch aber hier noch gar nichts Geschlechtsspezifisches über die Frau gesagt.“ „Es könnte auch genderspezifisch sein, oder?“ „Wir könnten eventuell mit ‚Frau (m/w/d)‘ arbeiten.“ „Oder ankündigen, dass wir alle Bezeichnungen nur genderneutral meinen.“ „Sie kapieren es nicht, oder?“ „Ich habe doch hier keine diskriminierende Äußerung über die…“ „Doch!“ „Er kapiert es eben nicht mehr.“ „Was denn, verdammt!“ „Arzt, Sie Trottel – wir haben hier wieder so ein typisches Geschlechterklischee, dass die Patientin natürlich als Frau…“ „Sie haben doch eben noch gesagt, dass das gar kein…“ „Fallen Sie mir jetzt nicht ins Wort, dazu ist so ein Karnevalsprogramm zu ernst.“ „Ich…“ „Wenn wir den Arzt als männliche Rolle in den Diskurs einbringen, haben wir sofort das Problem, dass wir Geschlechterklischees breittreten und die Gleichstellungsbeauftragte auf den Plan rufen, die uns fragt, warum es sich nicht um einen alten Mann handelt, der zu seiner Ärztin geht.“ „Wäre ein alter Mann nicht auch diskriminierend?“ „Ja, gleich doppelt, weil er wegen seines Alters nicht anders behandelt werden darf, aber darum geht es auch nicht. Wir können das mit dem Arzt nicht bringen, weil wir sonst richtig Stress haben wegen der gesellschaftlichen Position des Berufs.“ „Ist das ein Problem?“ „Wissen Sie doch, Halbgott in Weiß und so.“ „Gucken Sie keine Krankenhausserien?“ „Ich wusste jetzt nicht, dass man bei so einem Witz automatisch an die Schwarzwaldklinik denken muss.“ „Damals konnte man den noch bringen, aber heute würde man Ihnen dafür die Ohren abreißen.“ „Weil das ein Arzt ist?“ „Hören Sie mir überhaupt noch zu?“ „Er kapiert es eben nicht mehr.“ „Weil es keine Ärztin ist.“ „Aber die müsste doch dann auch als ‚Ärztin (m/w/d)‘ in den Diskurs eingeführt werden.“ „Macht man das nicht immer nur mit der männlichen Form?“ „Mit der weiblichen ist ja nicht gleich klar, dass da alle mitgemeint sind.“ „Wieso nicht?“ „Fühlen Sie sich etwa angesprochen von so einem Quatsch?“

„Wenn wir den Witz jetzt in die erlebte Rede überführen, dann hätten wir auch noch Storytelling drin und könnten das Problem etwas entschärfen.“ „Machen Sie mal einen Vorschlag.“ „Also neulich in der Arztpraxis, da…“ „Schon faul.“ „Nee!“ „Geht ja gar nicht!“ „Was ist denn jetzt wieder nicht in Ordnung?“ „Es könnte sich doch um eine Praxis handeln, die von einer Ärztin geleitet wird, oder?“ „Möglich.“ „Und warum sagen Sie das nicht in der Bezeichnung?“ „Soll ich das ‚Ärztinnenpraxis‘ oder wie jetzt nennen?“ „Wenn man das generische Femininum als genderneutrale…“ „Wir könnten die Bestandteile auch auseinandernehmen, also ein Arzt (m/w/d) ist ein Praktizierender im…“ „Also eine praktizierende Person?“ „Natürlich immer nur im genderneutralen Sinn, versteht sich.“ „Versteht sich.“ „Aber das sagt doch noch nichts aus über die tatsächlichen Rollenkonflikte in diesem Witz, es ist doch auch sehr schwierig, wenn man den Arzt hier nur als Hintergrundfigur…“ „Könnte man dann nicht die Handlung personalisieren?“ „Verstehe ich jetzt nicht.“ „Geh ich doch neulich zum Arzt, und der…“ „Schon wieder!“

„Ich will jetzt nicht auf die Metaebene gehen, aber…“ „Dann machen Sie es bitte kürzer als sonst.“ „Kann man das im Karneval überhaupt?“ „Das ist doch die gesellschaftliche Funktion.“ „Von Ärzten?“ „Vom Karneval.“ „Dass der auf die gesellschaftliche Metaebene geht?“ „Nein, dass man da auch Witze machen kann, die nicht so ganz okay sind.“ „Die machen die Leute doch sowieso, oder?“ „Deshalb ja die gesellschaftliche…“ „Oder haben die Ärzte etwas dagegen?“ „Nein, aber…“ „Wieso dann Karneval?“ „Weil man sich da für die doofen Witze auch noch doofe Kostüme anziehen kann.“ „Damit man dann nicht mehr merkt, dass man auch ohne die doofen Kostüme lächerlich ist?“ „So ungefähr.“ „Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.“ „Sie haben noch nie einem Politiker eine Karnevalsrede geschrieben.“ „Machen die das nicht selbst?“ „Ich möchte mir das nicht vorstellen müssen.“ „Jedenfalls ist es unsere Aufgabe, diese Witzreden zu schreiben.“ „Leider.“ „Wobei die Verwendung zwischen Karneval und Nichtkarneval auch eher zufällig ist.“ „Ist sie sonst auch witzig?“ „Nee, aber auch eher selten ernst zu nehmen.“

„Wollen wir dann Nummer 390 mit dem Pferd und den…“ „Reitsport, das ist doch mal gut!“ „Der geht eher in Richtung Land- und Forstwirtschaft.“ „Nee!“ „Geht ja gar nicht!“ „Nächster.“ „Aber…“ „Wieso kommt da die Gleichstellungsbeauftragte?“ „Die Landwirtschaftsministerin, die ist aber auch nicht viel klüger.“ „Was kein Kunststück ist.“ „Wir müssen doch irgendwie noch ein bis zwei Witze in die Rede einbauen, bis jetzt haben wir nichts.“ „Und wenn wir etwas klimaneutral antirassistisch angehauchtes über Topfblumen…“ „Gucken Sie lieber im Koalitionsvertrag nach, ob das geht.“ „Ich habe keine Ahnung.“ „Dann doch lieber irgendwie richtig daneben.“ „Zotig?“ „So richtig igitt.“ „Klo?“ „Genial!“ „Alaaf! Helau!“ „Sehr gut“ „Also: Geht ein Schwuler aufs Klo und…“ „Warten Sie, ich will mitschreiben!“ „Brauchen Sie nicht, wir haben die Vorsitzende in der Leitung.“ „Hallo, hören Sie? Wir haben noch einen, Frau Kramp-Karrenbauer. Total Ihr Niveau.“


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