Verwünschtes Glück

30 01 2011

für Erich Kästner

Im Himmel ist jetzt Jahrmarkt. Für die Reichen,
die täglich Himmel haben, ist das nett,
weil ihre Tage sich so schrecklich gleichen.
Nie hungern sie. Nie frieren sie im Bett.

Wie traurig ist das, wenn man Zuckerwatte
und Karussell und immer Sonntag hat.
Man sehnt sich nur herbei, was man nie hatte.
Und findet man es dann, weint man anstatt.

Was gäben diese Kinder, sie besäßen
nur einmal täglich Armut, Not und Leid!
Dann gingen sie nach Hause und vergäßen.
Vorbei das Mitgefühl, vorbei ihr Neid.

Es geht ja alles weiter, auch das Leben.
Das streift man ab, wie man die Schuhe putzt.
Am nächsten Tag hat man sich schon vergeben.
Wozu der Himmel, wenn man ihn nicht nutzt.


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2 responses

30 01 2011
lamiacucina

Die Jugendzeit mancher Kinder reicher Eltern verläuft fast wunschlos, da ihnen schon alles gegeben wird, bevor sie es sich wünschen. Die Seligkeit der Erfüllung eines langgehegten Wunsches kennen sie nicht. Nur die melancholisch-diffuse Sehnsucht nach etwas, das man nicht kaufen kann: nach Wunsch und Erfüllung. Das ist in diesem Gedicht schön zum Ausdruck gebracht.

30 01 2011
bee

Ja, mir war das ein Anliegen; und es ist nicht nur das Materielle, es sind auch Erwartung, Vermissen, Wunschträume, was einem Menschen ein inneres Erleben schenkt, ihn fantasievoll, geistig und seelisch reifer machen kann. Wie viel Stärke, aber auch Gelassenheit und Selbstsicherheit lernt man nicht aus der eigenen Vorstellungskraft.

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