Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLXXXIX): Der Nationalstaat

29 05 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Dumpfbacken vom rechten Ufer waren sich einig: die Dumpfbacken vom linken Ufer sind doof und stinken. Und umgekehrt. Ab und zu half man sich mit Faustkeilen aus oder teilte sein Mammut, aber sonst lief’s andersherum. Die einen waren ja die anderen, oder vice versa, aber wen interessierte das noch. Hauptsache jeder hatte sein Feindbild. Und eine Demarkationslinie für einen ordentlichen Jägerzaun. Die Sintflut kam und ging, es blieb der Gedanke eines Konstruktes, das auch der dümmste Knalldepp kapieren könne, wenn man ihm Fackel oder Mistgabel in die Hand drückte. Die da, sagt der Mythos, sind Feind. Komm nach Hause, plärrt der Mythos. Komm in den Nationalstaat.

Unter allen Hirngespinsten, die man braucht, sich als wertvoller zu definieren denn die Bande von Kuffnucken jenseits des Tümpels, ist die Nation der dümmste anzunehmende Dreck, der unter die Kalotte passt. Wie jeder anständige Krebs gibt er sich natürlich nicht mit dem ursprünglichen Raumangebot zufrieden, nein: jeder gute Tumor wuchert, und Nationalismus wäre nicht Nationalismus, würde er nicht Heckenpenner im Gros in bewaffnete Konflikte hineinprügeln, an denen sich allenfalls Waffenkonzerne einen goldenen Darmausgang verdienen. Dings den Dingsen und Bumse raus – nach der Melodei verheizt die intellektuelle Ausschussware ihre friedliche Koexistenz mit den anderen Quotenaffen jenseits des Wassergrabens. Was nicht identisch ist, ist anders, und was anders ist, muss zwingend Feind sein, sonst wäre es gleich bereits qua Geburt. Auf die hat zwar der Hominide auf der anderen Seite des von der Natur vorgesehenen Stacheldrahts keinen Einfluss, aber vielleicht war es irgendeine von Religioten aus der Rübe geratterte Vision, die man mit saftig dosierten Psychopharmaka auch nicht mehr weggemarmelt kriegt, kurz: wer eine Begründung braucht, braucht eigentlich keine, er braucht nur einen Grund, und schon hasst er die Neger, die übers Meer kommen, weil es nämlich Neger sind, und schließlich kommen sie übers Meer. Möglicherweise sind ihre Vorstellungen von einer Volksgemeinschaft ein paar Jahrhunderte älter als die unsrigen, aber es sind eben Neger, und die kommen im Neuen Testament gar nicht vor.

Denn die Zuordnung zur Kategorie Nation ist willkürlich bis sinnlos, gründet sie sich doch auf fadenscheinigen Kriterien wie einer gemeinsamen Herkunft (Sie sind raus, Indien), Küche (so long, England), Sprache (und tschüss, Moldawien) oder Kultur (geh einfach sterben, USA). Nicht einmal für die durchgeknalltesten Verfassungspatrioten ist ein vernünftiger Grund zu erkennen, die aus wirren Versatzstücken zusammengeschwiemelte Form als natürlich zu akzeptieren. Es sei denn, man befindet sich gerade in einer Ausnahmesituation, Fußball, Wahlkampf oder Terroranschlagswerbung.

Wer in den modernen Pseudonationalstaaten lebt, wird gewöhnlich aufgefordert, sich gefälligst zu assimilieren und das Maul zu halten. Autonomie ist keine Lösung, sie würde ja nur zur konsequenten Anwendung des Prinzips Nationalstaat führen, und dies ist nun mal, Überraschung! den wenigen Mächtigen vorbehalten, die ihre Autonomie gegen die anderen verteidigen, nicht zuletzt diese ganzen Neger, die mit ihrem Überlebenswillen einer Rotte parasitärer Elemente die Rendite schmälern. Man muss nur genug Verständnis für den unteren Dreckrand dieser Gesellschaft zeigen, weil man als Vorsitzender einer ihrer Interessenverbände genug Grund hat, den Dialog mit ihnen zu suchen, und schon plärrt dieser geistig behinderte Abschaum, man solle die Sorben aus dem Einzugsgebiet der deutschen Herrenrasse vertreiben, ein slawisches Volk, das in der Lausitz seine Kultur verbreitet hat, bevor die einfallenden Wessis auch nur ansatzweise teutonisch lallen konnten. Nur da, wo der Deutsche in erkennbarer Minderheit lebt – beispielsweise in Argentinien, da der braunauer Bettnässer ein paar seiner Rassegenossen unbedingt auf Welttournee schicken musste gegen die Fangarme der Justiz – muss er unbedingt seine Verbände gründen, die sich Einfluss sichern in fremdländischen Regierungen. Da ist das Nationale wichtige als der Staat, und schon verrät sich der Hirnplüsch der territorialen Kläffer.

Ohne Stallgeruch aus der Sprühdose keine künstliche Rivalität, kein Bruttoinlandsprodukt und keine Friedenssehnsucht, die der Kriegsindustrie dient. Wer das Land seiner Väter verteidigt – die Wurstgeburten haben ja meist mehr als einen – will dafür auch die forcierte Homogenität, die jede Individualität in der Nationalflagge einwickelt. Und doch, mag man sagen, hat diese Definition von Gleichmacherei auch ihr Gutes. Was da völlig verseift aus der Versenkung fiept, rettet uns letztlich immense Behandlungskosten: statt langwieriger Therapiesitzungen reden wir den Blödföhnen ein, dass sie immer noch stolz sein können, aus Lummerland zu stammen. Sollte es wieder schief gehen, egal. Wir haben Dresden schon so oft wieder aufgebaut.


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