Stresemann

7 05 2018

„Oder irgendwas mit Leni Riefenstahl.“ „Nee, die kennt doch keine Sau mehr.“ „Da wäre ich mir nicht so sicher.“ „Jedenfalls könnte ein bisschen Kultur nicht schaden.“ „Wir reden hier aber schon von derselben Zielgruppe?“

„Bei Albert Speer denken die meisten wieder an einen TV-Dreiteiler.“ „Was soll man machen, Hitler hat seinen Stammplatz im Nachmittagsprogramm, den kriegen wir die nächsten tausend Jahre nicht mehr von der Backe.“ „Hm.“ „Schöne Scheiße.“ „Goebbels?“ „Ja, ist auch scheiße.“ „Nein, ich meine als Vorschlag.“ „Nee, den kennt doch jede Sau.“ „Man müsste halt irgendeine Persönlichkeit finden, die für die gute Sache steht und dann nicht zu viel negative Punkte in ihrer Biografie hat.“ „Also Luther?“ „Stimmt, das Reformationsjahr war echt ein Knaller.“ „Der soll ja noch wilder gewesen sein als seine Zeitgenossen.“ „Aber hier, Reformation.“ „Also irgendwas mit christlichem Abendland könnte man doch…“ „Das Dumme ist, dass sich jede Menge Christen heute noch auf ihn beziehen.“ „Das könnte problematisch werden.“

„Hat Goethe nicht mal irgendwas über den Islam gesagt?“ „Ja, aber es würde Ihnen nicht passen, das zu lesen.“ „Außerdem ist das doch wieder dieser linke Bildungsterror, den wir nicht unterstützen müssen.“ „Eine parteinahe Stiftung ist aber auch nicht gerade der Wunsch der Wähler.“ „Warum nicht?“ „Weil wir ihnen mal versprochen haben, dass wir mit dieser Tradition der Altparteien gründlich aufräumen werden.“ „Seit wann halten wir Wahlversprechen?“ „Und seit wann interessiert uns, was Wähler wollen.“ „Aber…“ „Wenn wir ein paar Millionen aus Steuermitteln abgreifen können, damit die Parteigenossen nicht immer wieder in die Privatinsolvenz gehen müssen, meinen Sie, dann kümmern wir uns noch um Politik?“

„Horst Wessel?“ „Bei Ihnen piept’s wohl!?“ „Das war kein Kriegsverbrecher.“ „Stimmt, dazu war er zu früh tot.“ „Das wäre es doch, wir müssten einen haben, der sich nicht mehr wehren kann.“ „Weil er schon tot ist?“ „Genau.“ „Michael Kühnen?“ „Nee, den will doch keine Sau mehr kennen.“ „Also wir können jetzt ja schlecht warten, bis Gauland endlich…“ „Warum denn nicht?“ „Am Ende kriegt er das noch mit, und dann haben wir wieder einen innerparteilichen Machtkampf.“ „Man könnte ihn doch als Vorsitzenden ruhigstellen, und dann warten wir so lange ab, bis er platt ist.“ „Und dann?“ „Dann können wir uns immer noch anders entscheiden.“

„Und wenn wir Steinbach direkt vorschlagen?“ „Also das würde ich persönlich übernehmen?“ „Wo wollen Sie das denn vorschlagen?“ „Nein, ich meinte, dafür sorgen, dass die Alte endlich tot ist.“ „Das ist doch nun auch keine Lösung.“ „Sie machen es doch nur für Geld.“ „Sie denn nicht?“ „Ab die macht es ja nicht mal fürs Geld.“ „Eben.“

„Mercedes wäre schon ganz nett.“ „Welche Mercedes?“ „Die mit den Autos.“ „Bitte, was!?“ „Wenn, dann käme für uns sowieso nur Volkswagen in Betracht.“ „Sie wollen doch die Partei nicht an einen Autokonzern verschleudern?“ „Sponsoring ist nicht illegal.“ „Aber das läuft doch bei denen auch anders herum.“ „Ich verstehe die Frage nicht.“ „Es ist doch nicht vernünftig, sich gleich von Anfang an mit einem Industrieunternehmen einzulassen.“ „Das haben wir damals auch nicht anders gemacht, wenn ich mich recht erinnere.“ „Damals?“ „Naja, als wir nach dem verlorenen Krieg… ach, egal.“

„Und wenn der Mossad uns nun finanziert?“ „Das mit der BRD GmbH, okay – aber dass wir Geld vom israelischen Geheimdienst kriegen, das möchte ich von denen selbst hören.“ „Dass wir vom Verfassungsschutz bezahlt werden, ist doch viel wahrscheinlicher.“ „Werden wir ja jetzt schon.“ „Wozu brauchen wir dann noch eine Stiftung?“ „Geldwäsche?“ „Kann man das nicht auch ohne?“ „Ohne Geldwäsche?“ „Ohne Stiftung.“ „Fragen Sie die Banken.“ „Dann kann ich ja gleich zum israelischen Geheimdienst gehen.“

„Immerhin besteht doch noch eine Möglichkeit, dass wir uns nach Stresemann benennen.“ „Was ja auch sinnvoll wäre.“ „Silberstreif am Horizont, oder was meinen Sie?“ „Nee, passt zu unserem Demokratieverständnis: unten abgeschnitten.“ „Na, da haben Sie aber einiges in den falschen Hals gekriegt.“

„Ich wäre ja für Lutz Bachmann.“ „Wir hatten uns doch darauf geeinigt: keine Zuhälter.“ „Aber eine gerade im Osten bekannte Figur, die unseren Wunsch nach Beleibtheit bei den Massen verkörpert und sich auch programmatisch einigermaßen gut in unsere Partei einfügt.“ „Das müsste den Nerv der Zeit treffen.“ „Gegen dieses Allparteienkartell der westlich versifften Scheindemokraten!“ „Also weg mit dem maroden Sozialstaat, aber durch die Hintertür her mit der Diktatur.“ „Und die Eliten können sonntags einen vom Volk erzählen.“ „Und einheitliche Kultur!“ „Jawoll, eine Gleichschaltung muss her!“ „Und wenn uns die anderen Parteien nicht mehr passen, schaffen wir sie einfach ab!“ „Endlich Revolution!“ „Hurra!“ „Sieg Heil!“ „Also, Kollegen: Karl-Marx-Stiftung für nationalen Widerstand. Na, wie klingt das?“

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7 05 2018
Umleitung: vom männerdominierten „Frauenmarsch“ über politische Irrwege zur japanischen Rockmusik und mehr … | zoom

[…] Stresemann: „Oder irgendwas mit Leni Riefenstahl.“ „Nee, die kennt doch keine Sau mehr.“ „Da wäre ich mir nicht so sicher.“ „Jedenfalls könnte ein bisschen Kultur nicht schaden.“ „Wir reden hier aber schon von derselben Zielgruppe?“ … zynaesthesie […]

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