Unprivilegierte Partnerschaft

15 03 2012

„Frau Doktor Merkel empfängt heute nicht. Wenn Sie sich bitte einen Termin für nächste Woche geben lassen möchten? Keine Zeit? Tja, dann eben nicht. Mir ist das egal, ob Ihre SPD bis zur nächsten Bundestagswahl durchhält. Dafür sind Sie schon alleine verantwortlich.

Haben Sie sich jetzt wenigstens entschieden? Wofür genau stehen Sie denn nun? Mindestlohn? Eurobonds? Börsenumsatzsteuer und Frauenquote geht nicht mehr, das sind jetzt unsere Themen. Und Atomausstieg. Und Energiewende. Also das, was von der Energiewende noch übrigbleibt, wenn die FDP sie fertiggespielt haben sollte. Das ist hier so üblich, dass man ein nettes Gastgeschenk mitbringt. Sie müssen jetzt schon ein bisschen flauschiger daherkommen. Nach den ganzen Querelen mit Rösler ist Frau Doktor Merkel seelisch ein wenig ausgekühlt. Da täte ihr eine anschmiegsame Sozialdemokratie gerade gut.

Bitte keine Pralinen. Die Kanzlerin mag es nicht so gerne süß, und wenn zufällig Wulff in der Nähe sein sollte, kriegt sie sowieso nichts mehr davon ab.

Natürlich sind Sie noch mit im Rennen, aber die Bundeskanzlerin wird auch nicht mal so eben ihre Gewohnheiten ändern. Sie wird sich etwas Neues zum Spielen suchen. Muss ja nicht zwingend die FDP sein, oder? Mal ganz davon abgesehen, dass die Liberalen die einzigen sind, die noch nicht gemerkt haben, dass sie längst einen Zettel um den großen Zeh hängen haben. Sie sind noch dabei. Bewerben Sie sich ruhig, ich schlage mal vor, dass es eine unprivilegierte Partnerschaft wird.

Sehen Sie es doch mal positiv. Sie können die Grünen jetzt ganz gemütlich vor sich hertreiben. Zusammen mit Frau Doktor Merkel. Die wollen ja auch, die sind aber schon wieder zu klein. Oder immer noch. Das ist doch ein Geschenk, das Sie gar nicht ablehnen können.

Sie haben das nicht ganz richtig verstanden. Die SPD bekommt keine zweite Chance. Das ist falsch. So, wie Frau Doktor Merkel die FDP in den Boden gehauen hat, würde sie sicherlich auch die Grünen von der Platte putzen – ob jetzt oder beim nächsten Mal, das sehen wir dann. Und Sie haben sicher keine zweite Chance. Sie kriegen jetzt nur die zweite Packung ab. Eine große, unbewegliche Partei wie die Sozialdemokraten schafft selbst die Kanzlerin nicht auf einen Satz.

Topfblumen. Höchstens Topfblumen. Wenn Sie noch ein Alpenveilchen übrig hätten. Aber bitte keine großen Blumenbuketts. Topfblumen. Die lassen sich auch leichter entsorgen.

Und Sie meinen, dass es Frau Doktor Merkel beeindrucken wird, wenn Sie eine neue Kampagne starten? Sie sind die neue neue Mitte? weil die alte neue Mitte weder neu noch Mitte war? und die neue neue Mitte jetzt da liegt, wo die Kanzlerin denkt, dass die neue Mitte – ihre neue Mitte – eigentlich liegen sollte, auch wenn ihre neue Mitte da nicht liegt, weil die da liegt, wo die alte neue Mitte gelegen hat? Höchst aufschlussreich. Erzählen Sie das in der Deutschen Bank. Die werden sich sicher dafür interessieren.

Meine Güte, seien Sie doch nicht gleich so gekränkt! Ich kann’s Ihnen ja verraten, insgeheim freut sich Frau Doktor Merkel schon, dass Sie auf einen Lagerwahlkampf verzichten wollen. Sie können ja auch gerne überall sagen, dass Sie die Große Koalition entschieden ablehnen – bis nächsten Sommer. Bis dahin wird die Kanzlerin sich auch nicht mehr so weit hinauslehnen. Alles ganz harmonisch, nur eben nicht öffentlich.

Was haben Sie gegen Berlin? Da funktioniert die Zusammenarbeit doch schon hervorragend. Stören Sie sich nicht zu sehr an der Tatsache, dass Sie da immer noch die politische Führung stellen. Das geht schneller vorbei, als Sie das erwarten. Und dann haben wir zum Ausgleich ja immer noch das Saarland.

Das ist Ihr Ernst? Sie wollen Wahlplakate mit Frau Doktor Merkel als Kanzlerkandidatin drucken lassen? Nein, ich frage nur. Weil ich nicht mit letzter Sicherheit sagen kann, wer sich da weniger wundern würde. Die SPD oder die Wähler. Aber das würde auch gar nicht zu den Sozialdemokraten passen. So konsequent kennt man Sie ja gar nicht.

Haben Sie sich je gefragt, warum Frau Doktor Merkel diese Steilvorlagen für die Grünen macht? Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg, Klimaschutz ohne Klimaschutz, keine Solarenergieförderung ohne Bevorzugung der Atomkonzerne? Damit die Grünen eine faire Chance haben, im nächsten Bundestag zu sitzen. Und Ihnen ein paar Prozent wegzunehmen. Damit die SPD nicht zu groß wird. Das muss natürlich gut dosiert sein, zu viele Stimmen für die Grünen sollten auch nicht reinkommen. Sonst würde es für Sie ja zu komfortabel. Und haben Sie sich je gefragt, warum die Kanzlerin bei Netzpolitik und Bürgerrechten so zielstrebig falsch oder gar nicht handelt? Na? Piraten? Dämmert’s?

Sie sollten sich doch möglichst schnell einen Termin bei Frau Doktor Merkel besorgen. Am Ende kommt sie noch auf die Idee und fordert den Abzug aus Afghanistan, damit die Linken im Gespräch bleiben. Wann passt es Ihnen denn, Herr Gabriel?“


Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..




%d Bloggern gefällt das: