Braver Soldat, schweig

24 04 2014

„Oder eine warme Mahlzeit mit Ziegenkäseeis für alle? Ich weiß es doch auch nicht! Sie stellen immer so komisch Fragen, und am Schluss bin ich dann wieder schuld, wenn Sie keinen Erfolg haben! Was soll man denn aus Ursula von der Leyen noch groß machen, die Frau ist doch ausgelutscht!

Keine Ahnung, warum sie so abgerauscht ist in der öffentlichen Beurteilung. Vielleicht haben aus Versehen alle eine Woche lang gelesen, was sie so von sich gibt, wenn Mikrofone in der Nähe sind. Normalerweise ist das den Leuten doch auch total wurst, solange die Frisur einigermaßen sitzt. Eben noch die Wehrpflicht abgeschafft, jetzt schon im Libanon, das muss man erstmal bringen. Nicht mal unsere Börsenexperten haben eine Erklärung, und die wissen sonst hinterher immer, weshalb sie sich vorher geirrt haben.

Wenn Sie sich erinnern wollen, eigentlich war unsere Agentur dafür gebucht worden, Ursula von der Leyen zur Bundeskanzlerin zu machen, aber das ist wohl irgendwie in Vergessenheit geraten. Nein, wir hatten das mit der Verteidigungsministerin nicht vorgeschlagen, da verwechseln Sie etwas. Wie bei der Bundespräsidentenwahl, als sie sich mit dem Bundespräsidenten verwechselt hat.

Natürlich ist das schwierig. Sie ist keine Quartalsirre wie Seehofer oder Dobrindt. Dann hätten wir sie jetzt auch schon in den Schlagzeilen. Aber das mit der Popularität klappt irgendwie nicht richtig. Klassenfahrten an den Hindukusch? und auch noch zwangsweise? Nee, das finanziert doch auch keiner. Außerdem wird da niemand mitmachen. Oder eine neue Modelinie von Heidi Klum? Also Lagerfeld fand sie niedlich. Aber der hat auch schon gesagt, dass sie Kriegsministerin ist. Das kann man wieder nirgends zitieren.

Ein Buch? Woanders würden Sie jetzt ein Kochbuch veröffentlichen unter ihrem Namen, aber was schreibt man da? Ursels Feldküche? Uschi kann brauchen, was es gelernt hat? Das glaubt einem doch auch keiner. Können Sie vergessen. Die wird am Ende noch zu Wetten, dass…? eingeladen. In die letzte Sendung, wo sich das ZDF noch mal an allen rächt.

Das Problem an Ursula von der Leyen ist doch nicht, dass sie bis jetzt in so gut wie jedem Amt gewesen ist. Das Problem ist, dass sie in jedem Reichspropagandaministerin war.

Dabei ist die Frau doch bestens geeignet für ein Spitzenamt. Vollkommen maroder Haushalt, keine Personaldisziplin, null Planung, der glaubt man doch sofort, dass sie sich nur für die große Linie interessiert und die Details ihren Untergebenen überlässt. Wenn das keine Kanzlerin ist, wer dann?

Wir könnten jetzt natürlich kommunizieren, dass sie die Gelder für Zukunftsplanungen in ihr persönliches Lieblingspersonal investiert, hat anderen auch nicht geschadet. Niebel zum Beispiel hat eine ganze Legislaturperiode überlebt damit. Und er hat damit einige Leute sehr, sehr glücklich gemacht, die sonst hätten arbeiten müssen. Das ist ein feiner Zug, es erinnert an die warmherzige Art, wie sie seinerzeit ihr Familienministerium geführt hat.

Schauen Sie sich mal dieses Umfragetief an, das die FDP da hingekriegt hat. Das ist unglaublich. Sehr professionell gemacht, muss ich schon sagen. Die Stabilität natürlich, nicht das Tief an sich.

Also noch mehr soziales Engagement? Die Bundeswehr als Arbeitgeber der Zukunft? Wir könnten den Aufschwung natürlich mit mehr Arbeitsplätzen in der Rüstungsindustrie erklären. Oder vielleicht eher die gestiegenen Aktienkurse, das wäre noch etwas ehrlicher. Man kennt das zwar bisher nicht von Ursula von der Leyen, aber so langsam kann man sie ja mal inhaltlich in eine andere Richtung bringen als ihre Kanzlervorgängerin.

Wir haben Ihnen das klar genug gesagt: keine Extratouren. Wir können nicht ständig Krisen-PR machen. Warum? Wenn wir jetzt schon den permanenten Verteidigungsfall ausrufen, was machen wir denn dann, wenn wirklich die Opposition Streichhölzer ins Pulverfass schnippt?

Die allgemeine militärische Lage ist ja gar nicht so schwierig. Die Bundeswehr ist kompliziert. Wir hatten es gleich gesagt. Eine Arbeitsministerin, die Arbeitnehmer nur mit Gummihandschuhen anfasst, was soll die denn der Truppe erzählen? Braver Soldat – schweig? Lächerlich!

Vielleicht ist das ja schon der Absturz, für den wir die Grundgesetzänderung gebraucht hätten. Wenn eine Verteidigungsministerin im Luftraum über den deutschen Stammtischen abschmiert, muss die Regierung schnell und unbürokratisch handeln und schnell einen humanitären Einsatz zur Rettung der Truppe beschließen. Wir können die doch nicht einfach so im Stimmungstief hängen lassen.

Mal einen Bundeswehreinsatz im Inneren, so testweise? Kann ich mir nicht vorstellen. Für die nächste Bundestagswahl könnten wir vielleicht eine Art Großaufgebot an Einsatzkräften organisieren, das kriegen wir notfalls noch hin, aber wie lässt man die Oder überlaufen?

Ja, gut. Wir versuchen da mal etwas. Eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Logistik, eine wird sich die restliche CDU vornehmen, und eine wird beten, damit es nicht schon wieder schiefgeht. Und dann brauchen wir nur noch die Zustimmung des Bundestages. Wie viel Mann wollten Sie denn in der Ukraine haben?“


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