In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCII)

26 07 2014

Es schälte Norberto in Belas –
natürlich mit Hilfe des Schälers –
das Obst. Und er fletschte
die Zähne und quetschte –
im Ruf eines Ananasquälers.

Haroun, der schlägt um sich in Sarh
und trifft kaum die Insektenschar.
Die ist zwar nicht niedlich,
doch ausnehmend friedlich.
Dass er sich stößt, ist die Gefahr.

Es kam Bruder Mo in Lousal
im Kirchlein gewaltig zu Fall.
Sein Bauch, der gerundet,
war sofort gegrundet.
Noch tagelang hört man den Hall.

Dambudzo schlief fest schon in Hwange,
er hat unterm Kissen die Zange
stets griffbereit liegen.
Es gibt dort nur Fliegen,
man findet dort fast keine Schlange.

Joaquim, der spielte in Ade
im Mittelfeld. Nur seine Wade,
die war ihm beschwerlich.
Der Trainer war ehrlich.
Jetzt steht er im Aus. Wirklich schade.

Mekubo, der schmückte in Pate
mit Fundstücken gern seine Kate.
Das Meiste war schmutzig,
und dann war man stutzig:
im Flur, da hing eine Granate.

Helena, die hatte in Paul
’nen Hund, und der hielt stets das Maul.
Er lag nur zum Dösen,
und statt des Nervösen,
so pflegt er den Schlaf. Er war faul.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCL): Bahnfahren

25 07 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Des Menschen Wille, häufig eine seltsam strukturierte Angelegenheit voller Widersprüche und nichtlinearer Erscheinungsweisen, schrammt nicht selten direkt am Himmelreich vorbei und landet zielsicher in der Grütze, wie uns schon die ersten, noch zaghaften Versuche der frühen Hominiden zeigten. Zwei Sack Korn und im Schnitt anderthalb Kinder kriegte der frühe Ackermann auf seinen Ochsen. Das Vieh ging gemächlich, so dass man nach dem Transport die Gesamtlast noch gut verbrauchen konnte. Eile kannte der Bewohner von Steppe und Runddorf nicht, seine Uhr war der Jahreslauf, sein Sekundenzeiger der Sonnenstand. Die neumodischen Einwanderer, die schon zwei Jahrhunderte früher vom Baum heruntergekommen waren, überzogen das Tal mit einer Innovation, die nicht bei jedem gut ankam: Ochsenkarren. Vielen galt es als purer Schnickschnack, und doch, man konnte damit richtig etwas wegschaffen. Mehr Korn, mehr Kinder (die Monogamie hatte sich mehr und mehr durchgesetzt und die Erbfolge wurde immer schwieriger), notfalls die Alte, die wegen Kind und Kegel moserte. Es spitzte sich zu. Die Moderne würde nur noch eine Frage der Zeit sein, das begriff der Bekloppte im Nu. Ob er die Eisenbahn vorausgeahnt hat, wissen wir nicht, aber das Bahnfahren wird er sich ganz anders vorgestellt haben.

Eine amorphe Masse ist in Sitze geschwiemelt, die man sadistisch veranlagten Ergotherapeuten zur gepflegten Erheiterung vorführt. Alle halbe Stunde bleibt das Gefährt auf freier Strecke stehen, die Motoren gehen aus, während deutsche Rapmusik mit abgrundtief peinlichen Texten durch die Gänge puckert. Die Steckdosen gewinnen den Deutschen Mimikry-Wettbewerb in der Kategorie „Selbst schuld“. Spackvolle Müllbehältnisse lassen per Geruchsoutput eine leichte Ahnung von Ewigkeit durch die Großraumabteile wehen. Schmerzen hat hier niemand mehr, und die Hoffnung auf einen Anschluss nach Bebra auf Gleis 3 verkrümelt sich leise und hässlich. Zeitgemäße Namen wie ICE oder RegioExpress fallen sowieso nur dem ein, der professionell Kantinenspeisekarten betextet und aus anheimelnd zusammengewucherten Gemüseresten noch einen lockenden Arbeitstitel zu kitzeln vermag. Der Rest schweigt. Und das nicht ohne begleitendes Leiden.

Der Aufenthalt in einem Zug ist die perfekte Analogie zur handelsüblichen Vorstellung von der Hölle. Es ist verdammt heiß, verdammt eng, man ist von widerlichen Gestalten umgeben, es ist die reine Gegenwart der Unerträglichkeit, aber dafür weiß auch keiner, ob und wann dieser Mist je enden wird. Das Inferno mit einem Purgatorium namens Straßenbahn oder Überlandbus zu vergleichen ist nicht zielführend; wer könnte bei einem Zug jemals beherzt auf die Bremse treten, die Insassen an die Frischluft kippen und sie fröhlich ihrer Wege ziehen lassen? Wer sich in einen Waggon begeben hat, sollte mit seiner bisherigen Existenz wenigstens abgeschlossen haben, ob auch im Guten, hängt von Saison, Strecke und Fahrgastaufkommen ab.

Nur ein Schwarzes Loch könnte die Situation zwischen Gepäcknetz und Klapptischchen besser beschreiben. Obwohl alles scheinbar von endloser Dauer ist, passiert exakt gar nichts, da die Zeit sich im Innenraum des Ereignishorizonts blubbernd zusammenkrümmt und nichts aus dem ewig kreisenden Radius nach außen dringt. Das Ding ist von außen nicht weiter gefährlich – immer vorausgesetzt, man fühlt nicht den jähen Drang, es von innen anzusehen – und bringt dabei doch zahlreiche physikalische Paradoxa zustande, die ein an Newton geschulter Naturwissenschaftler nicht leckfrei in die eigene Birne gehievt kriegt. Wie lässt sich eine derartige Masse so in ein Raumkontinuum ballen, dass sich selbst Subquarks quantengleiche Koordinaten teilen müssten? Und wer ist dafür verantwortlich, dass ein Haufen Elementarteilchen einen energetischen Zustand annimmt, gegen den der absolute Stillstand wie eine Orgie auf dem Gaspedal aussähe? Fragen über Fragen. Die Antworten, wie immer, pfeifen im Fahrtwind.

Sicher kann man viele logische Überlegungen zum Bahnfahren anstellen. Es muss einen Grund dafür geben, dass der Zug immer da hält, wo man den weitesten Weg zur Treppe hat. Keiner weiß, warum die Reservierungen immer verschwinden; wo bleiben, weiß eh kein Schwein. Letztlich bleibt man immer im Schwarzen Loch hängen. Die Masse klumpt gnadenlos. Vergessen wir den Anschluss nach Bebra. Man wäre ja froh, käme dieser marode Klumpen Stahl überhaupt dort an.

Die Expedition zu den Sternen, ein beliebtes Gedankenexperiment, fußt auf der generellen Reproduzierbarkeit des Beknackten. Wir betreten feuertrunken das Raumschiff und lassen uns in die Weiten der Galaxie pusten, unsere Kindeskinder werden eines Tages – degenerierte Fachidioten zwar und keinesfalls eine Blaupause der Zivilisation – für uns die Lokale Gruppe bereisen. Der Kostenrahmen entspräche etwa einer Rückfahrkarte Bremen Hauptbahnhof – Durlesbach. Was uns rettet, wird die Tatsache sein, dass wir die genaue Verspätung nie erfahren werden.





Gesprächsstoff

24 07 2014

Die Räume hatten eine anheimelnde Sauberkeit, nicht gerade medizinisch, aber doch weit mehr als besenrein. Die Morgensonne schien durch das Oberlicht und warf einige bläuliche Schatten auf die frisch gestrichenen Wände. Alles atmete Ruhe und Frieden. Schüppenhauer war verzweifelt.

„Diese Idioten haben nicht einmal Holzleisten angebracht“, stöhnte der Galerist. „Wo soll ich denn nur die Bilder aufhängen?“ Mit einem ironischen Lächeln – nicht schadenfroh, auch wenn durchaus ein Grund dazu vorhanden gewesen wäre – drehte ich mich einmal um die eigene Achse. „Ach ja, richtig. Die Bilder.“ Es gab keine Bilder, hatte nie welche gegeben. Nicht hier, und vermutlich nicht anderswo. Der windige Unternehmer, dem der frisch gebackene Kunsthändler sein Geld anvertraut hatte, war genauso schnell verschwunden wie die besagte Barschaft. Jetzt stand er da, ohne Bilder, mit einem immerhin sauberen Lokal in bester Lage und mehreren Zusagen für die Eröffnung. Dass sie noch am nämlichen Abend stattfinden sollte, traf sich weniger gut.

„Machen Sie etwas“, wimmerte er. „Irgendwas, brechen Sie in ein Museum ein und stehlen Sie die Mona Lisa, aber lassen Sie mich nicht im Stich.“ „Das wird schwierig“, befand ich, „die Dame ist ja recht freizügig, wird aber gerade im Ausland aufbewahrt, und in einer Papiertüte bekomme ich sie garantiert nicht durch den Zoll. Wir müssen uns eine andere Sache überlegen.“ Schüppenhauers Verzweiflung ging in Fatalismus über. „Dann setze ich mich in die Ecke und lasse mich mit faulen Eiern bewerfen, damit kommt man ja auch ins Feuilleton.“ „Bloß nicht!“ Der Gedanke war nun zu schockierend. „Das macht doch in New York seit zwanzig Jahren keiner mehr.“ Die Lage war ernst. Schüppenhauer zündete sich eine neue Zigarette an. „Suchen Sie mich nicht“, sagte er müde, „Sie werden mich früh genug finden.“ „Seien Sie bitte pünktlich“, wies ich ihn an. „Und lassen Sie freundlicherweise den Schlüssel da.“

Die Gäste kamen mit ortsüblicher Verspätung. Das oval in der Mitte des Raums aufgehäufte Zeug wurde zunächst stumm betrachtet, mit gemessenem Schritt erlaufen und wurde schließlich Objekt einer recht angeregten Diskussion. „Möglicherweise“, mutmaßte ein älterer, kritisch aussehender Gast „hat der Künstler eine Botschaft darin versteckt.“ „Sie könnten ja mal nachsehen“, riet ich, „und übrigens, es ist eine Künstlerin.“ Auf dem Boden klebte ein quadratisches Schildchen, auf das niemand trat, das aber offensichtlich auch keiner gelesen hatte.

Schüppenhauer war nicht richtig betrunken, ob noch nicht oder schon nicht mehr, ließ sich in der Kürze der Zeit nicht feststellen. „Wo kommen die Leute her?“ Ich klopfte ihm beruhigend auf die Schulter. „Durch die Tür, die meisten jedenfalls. Einige sehen aus, als hätte man sie versehentlich über dem Dach abgeworfen, aber das täuscht. Die anderen sind auch nicht weniger bekloppt.“

Immerhin war das Ensemble aus Dachlatten, teilweise aufreizend angekokelt, teilweise mit Nägeln und Krampen verziert, alles zusammen in der Zimmerecke an die Wand gelehnt, auch nicht ohne Aufmerksamkeit geblieben. Eine nervöse Dame schob sich durch die Besucher, stellte ihr Champagnerglas auf einen Klappstuhl und sprach mich ohne zu zögern an. „Ich komme gleich zur Sache: wie viel?“ „Ich auch“, antwortete ich. „Das Glas verschwindet sofort von diesem Stück Objektkunst, oder Sie haben ein Problem.“

Eine Viertelstunde später erfuhr ich vor dem Studenten, der den Kellner spielte, dass das aus Paris, Köln und Tokio stammende Künstlerduo bereits die Eröffnung verlassen habe. Die nervöse Dame hatte mehrere Fotos von ihnen gemacht, die sie in den führenden Kunstzeitschriften zu veröffentlichen gedachte. Ich war sehr gespannt, ob ich sie erkennen würde.

„Sie haben mir eine Viertelmillion für diese Holzdinger angeboten“, keuchte Schüppenhauer. „Was soll ich denn jetzt tun?“ „Fordern Sie eine halbe“, riet ich, „und verkaufen Sie damit auch gleich die Option auf die kommenden beiden Teile der Installation.“ Er war nachhaltig verwirrt, aber damit war zu rechnen gewesen. Bedauerlicherweise konnte ich mich nicht um ihn kümmern, da die exzentrische Kuratorin für ihre Verhandlung mit der städtischen Kunsthalle immer wieder Details von mir wissen wollte. „Es heißt Gesprächsstoff“, erläuterte ich, „und es ist innen mit einem Holzgerüst versehen, damit es formstabil bleibt.“ Sie machte sich Notizen. Schüppenhauer suchte seine Zigaretten.

„Sie haben das alle gefressen“, sagte er, noch immer ungläubig und diesmal deutlich betrunkener als zu Beginn des Abends. „Die haben es Ihnen alle abgenommen! Aber wie haben Sie das so schnell geschafft?“ Ich lächelte vor Bescheidenheit. „Zwei alte Paletten, ein wenig Plastikplane und ein Altkleidercontainer der Heilsarmee. Und dann muss dem Vorbesitzer der Geräteschuppen im Garten abgebrannt sein. Sie sehen das in der Ecke.“ Er drehte sich kurz um. „Es ist noch eine alte Harke da und ein paar Schaufeln und etwas Altmetall, und neben der Kellertreppe stehen noch die restlichen Klappstühle. Denken Sie an die halbe Million, Schüppenhauer. Sie wollen doch den Kunstmarkt nicht wegen so einer Kleinigkeit gegen sich aufbringen.“





Integrationskurs

23 07 2014

„Natürlich ist das eine ehrenvolle Aufgabe für Sie als Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, ich wäre stolz, meinem Vaterland so einen Dienst erweisen zu dürfen. Abgesehen davon bin ich ziemlich froh, dass Sie das tun. Ich bin ja zum Glück keiner von diesen Scheißausländern.

Bitte nennen Sie das nicht Missbrauch, das könnte letztlich dazu führen, dass wir unsere doch verhältnismäßig integrationsfreundliche Haltung Ihnen gegenüber nochmals gründlich überdenken. Sie müssen doch zugeben, Sie haben es nicht schlecht hier. Sie sind zwar ein Scheißausländer, aber man lässt Sie größtenteils in Ruhe. Hat man Sie in den letzten vierundzwanzig Stunden auf der Straße angespuckt? Dann sollten Sie wissen, was Sie zu tun und zu lassen haben, damit das so bleibt.

Sehen Sie das nicht als Diskriminierung an, das ist es gar nicht. Eher als eine Art exklusives Angebot, das wir nur Ihrer Bevölkerungsgruppe unterbreiten. Wie eine Art Sprachunterricht zum Beispiel, den brauchen ja echte Deutsche auch nicht. Gut, in Sachsen vielleicht oder in Bayern. Aber die echten Deutschen nicht.

Sie haben ganz direkt die Chance, die Wirtschaft zu verbessern. Nicht nur die deutsche, also im Grunde genommen ist es eigentlich gar nicht so sehr die deutsche, aber es ist die Wirtschaft, und wir haben viele Verbündete, beispielsweise die USA. Die haben herbe Rückschläge hinnehmen müssen in letzter Zeit. Sogar von höchster Stelle hört man, dass wir denen gar nicht mehr so richtig helfen können. Keine Drohnen, keine Nacktscanner, und dies Verfassungsgericht macht denen ständig alle Investitionspläne kaputt. Unser Verfassungsgericht, wenn man es genau nimmt. Da muss man doch mit seinen Verbündeten einschreiten, oder?

Und genau so ein Verbündeter sind Sie jetzt. Als Staatsbürger mit sichtbarem Migrationshintergrund. Jetzt haben Sie sich doch nicht gleich so, man sieht doch, dass Sie aus der Wüste kommen. Merkt man am Namen. Typisch muslimisch. Ach, sind Sie gar nicht? Erzählen Sie das dem Papierkorb. Für alle, die Sie nicht kennen, sind Sie halt einer von diesen Scheißausländern. Sie können sich gerne dagegen wehren, es nützt Ihnen nur leider nichts.

Ich will Ihnen gegenüber ganz offen sein: wir brauchen Sie. Ja, wir brauchen Sie wirklich! Sie sind für uns unverzichtbar, weil nur Sie diese so wichtige Rolle ausfüllen können, die unsere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit den Verbündeten stabilisiert und nachhaltig fördert. Sie sind das fehlende Puzzlestück. Ohne Sie wären wir aufgeschmissen. Wir brauchen Sie wirklich. Und Ihre Herkunft, Ihr Aussehen, das, was wir alle von Ihnen denken und halten und als was wir Sie betrachten, macht Sie zu etwas ganz Besonderem.

Sie sind doch ein gesellschaftliches Nichts. Sie sind eine Last für den Sozialstaat, weil sie faul und ungebildet und – tatsächlich? Na egal, dann nehmen Sie eben einem deutschblütigen Chefarzt seinen Job weg. Sie sind ein Scheißausländer, aus der Nummer kommen Sie nicht mehr raus. Tun Sie sich doch selbst einen Gefallen und opfern Sie sich auf. Für eine sichere Gesellschaft. Für ein besseres Miteinander. Und dafür, dass wir in unseren Sonntagsreden immer wieder gerne betonen, wie weit die Integration vorangeschritten ist und dass die meisten Fremden gar nicht so schlimm sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Wir brauchen Sie als Personifikation des Bösen. Schauen Sie, einer muss doch der Terrorist sein. Einer muss es machen. Und glauben Sie mir, wir haben schon viele Alternativen ausprobiert. Nazis aus dem Verfassungsschutz, deutsche Konvertiten und jugendliche Computerspieler mit Zugang zu schlecht verschlossenen Waffenschränken – können Sie alles in die Tonne treten. Der gute alte Muslim mit Migrationshintergrund, der ist einfach nicht zu schlagen. So einer wie Sie. Gut, dann eben einer, der so aussieht, wenn man aussieht, wie Sie aussehen, ist doch egal. Ihnen traut man eine Flugzeugentführung oder eine Kofferbombe am Bahnhof nun mal eher zu als einem bärtigen Kölner mit roten Haaren, der etwas Hokuspokus veranstaltet. Sie haben halt diese gewisse Glaubwürdigkeit, die man für so etwas braucht.

Zahlen können wir Ihnen nichts, das ist richtig. Aber darum geht es doch auch gar nicht. Zumindest uns nicht. Ihnen bietet sich hier die einmalige Gelegenheit, die Sicherheitsindustrie zu stärken. Wir brauchen Sie als Buhmann. Die Innenpolitik braucht Sie. Die Medien nicht zu vergessen – Ihr Gesicht in einer Boulevardzeitung, da ruft doch der anständige Deutsche sofort nach den Arbeitslagern. Freuen Sie sich. Sie stabilisieren Deutschland. Das kann man von den vielen echten Deutschen, die nicht die Bildungsvoraussetzungen dazu haben, nicht immer behaupten. Fühlen Sie sich gebraucht. Sie sind es nämlich.

Also denken Sie auch mal an Ihre Familie. Ihre Kinder sollen es doch einmal besser haben als Sie, oder? Gut. Dann sind Sie bitte morgen pünktlich beim Einsatz, bringen Sie den Zünder mit, widersetzen Sie sich bei der Festnahme, und dann könnten wir bei der Vergabe einer Lehrstelle ein paar Beziehungen spielen lassen. Denken Sie an Deutschland. Sie wollen doch dazugehören.“





Blauer Dunst

22 07 2014

„… habe ihrem verstorbenen Mann keiner mitgeteilt, dass Zigaretten Krebs auslösen könnten. Das Schmerzensgeld in Milliardenhöhe sei daher…“

„… zahlreiche US-amerikanische Staatsbürger am Steuer eines Personenkraftwagens verstürben. Dies rechtfertige jedoch nicht, bereits vor dem Erwerb der Fahrerlaubnis ein präventives Schmerzensgeld für den…“

„… in einschlägigen wissenschaftlichen Fachmagazinen publiziert worden seien. Nach Meinung des Gerichts sei es nicht vom durchschnittlichen nicht zu verlangen, dass er medizinische Lektüre dieser Art ohne beruflichen Hintergrund…“

„… dass gebrauchte Injektionsspritzen schwere Infektionen bis zur chronischen Bronchitis auslösen könnten. Palin habe angeregt, die kanadischen Heroinkonzerne an den Strafzahlungen prozentual zu…“

„… nur bekannt gewesen, dass Tabakrauch krebserregend sei, nicht jedoch, dass Zigaretten auch aus…“

„… im Bundesstaat Wisconsin künftig jeden Hammer mit dem Schild Dies ist ein Hammer zu…“

„… einen Warnhinweis auf Wasserflaschen anbringen müsse, dass das Überschütten einer Person mit mehr als zehn Kubikmeter dieser Flüssigkeit erhebliche gesundheitliche Folgen für…“

„… wenn mindestens einer von hundert Milliarden Verbrauchern einmal im Leben auf die Idee käme. Das Abkommen wolle ebenso regeln, dass US-amerikanische Autos Tankverschlüsse erhielten, in die man keine brennenden Streichhölzer mehr…“

„… illusorisch sei. Zwar seien die Folgen der radioaktiven Strahlung langanhaltend gewesen, die Japaner hätten die Bombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki jedoch durch eigenes Verschulden…“

„… dass Zigaretten anderer Marken möglicherweise krebserregend seien, nicht jedoch diejenigen des…“

„… den Säugling regelmäßig in einen gesunden Schlaf gewiegt habe. Der Schnapsfabrikant sei sich jedoch keiner Schuld bewusst, da er sein Etikett bereits vor Jahren mit einem…“

„… ihren halbseitig gelähmten Großvater mit Kabelbindern an Händen und Füßen gefesselt zu haben, bevor sie ihn aus dem Hubschrauber geworfen hätten. Der Fallschirmhersteller erwäge bereits eine Klage wegen unsachgemäßer Verwendung einer Kopfbedeckung, die zwischen März und Mai nur in Bodennähe…“

„… nicht zu erwarten, dass eine Ursache für die Hirnschädigung noch festzustellen sei, nachdem der Patient sich den Hammer bereits dreiundzwanzig Mal auf die Schädeldecke…“

„… dürfe man Zigaretten nur noch in Anwesenheit eines Justiziars erwerben. Der Plan, für mehr Rechtssicherheit die Verkaufsautomaten nur noch in Anwaltskanzleien zu…“

„… sei das Freihandelsabkommen ein willkommener Anlass. Allein die europäischen Verhandlungsführer hätten noch Bedenken, dass nur US-Rüstungsgüter ohne den Aufkleber Nicht Menschen töten, Waffen töten für den Export in mehrere…“

„… basiere das von den Republikanern geplante Todesurteil auf keiner rechtlichen Grundlage. Überdies genieße Helmut Schmidt als ehemaliger Regierungschef diplomatische…“

„… amerikanische Unternehmen, die keine Niederlassungen in der EU hätten, durch eine Investitionsschutzklage abzusichern, da diese dann keine lukrativen Klagen gegen Mitbewerber…“

„… entspreche der Logik des Justizsystems. Der afroamerikanische Rechtsanwalt verklage die Frühstücksflockenfirma nicht zuletzt wegen seiner Vorstellung als Kind, wie in der Werbung durch den Verzehr zu einem weißhäutigen, zehn Meter großen…“

„… zu jeder im Discounter verkauften Packung Schmerztabletten einen kostenlosen Pharmareferenten zu…“

„… zu einem überraschenden Schuldspruch geführt habe. Zwar sei die Prägung DAS SEIN HAMMER AMERIKANISCH BASTARD semantisch hinreichend klar, doch dürfe man die durchschnittliche Intelligenz der US-Bevölkerung nicht stillschweigend auf Texaner…“

„… erst das Freihandelsabkommen TTIP abwarten wollten, bevor sie den Ausgang der vergangenen beiden Präsidentschaftswahlen…“

„… eine Sammelklage geplant sei. Üblicherweise rette ein Sicherheitsgurt Leben, in diesem Falle jedoch müsse der Hersteller erklären, warum bei der Detonation einer Splitterbombe unter dem Geländewagen der Fahrer sofort…“

„… verspreche der Fruchtdrink, er könne zu mehr Vitalität führen. Die Hinterbliebenen des 108-jährigen José DiGilio aus Moscow (Idaho) seien äußerst empört, dass nach mehr als dreiwöchiger Einnahme keine merklichen…“

„… sich nach Zeugenaussagen eine brennende Zigarette ins Auge gesteckt habe, und zwar nach einer nichts an Deutlichkeit zu wünschen lassenden Ankündigung. Das Schwurgericht von Escambia County (Florida) habe einstimmig auf…“





Scheuchgebiete

21 07 2014

„Meine Herren, es geht doch aber um die Wirtschaft!“ „Ja Kruzitürken, das wissen wir selbst!“ „Dann müssen sich die andern auch mal was Gescheites einfallen lassen, nicht immer nur wir.“ „Fragt’s halt die Preußen, aber da kriegt man ja keine Antwort nicht.“ „Eben. Denen ist nicht einmal die Maut selbst eingefallen.“

„Die Problematik ist ja nun diese, dass wir als Freistaat viele Grenzgebiete haben.“ „Sehr richtig, und das muss aufhören!“ „Sind Sie deppert!? dann sind wir doch kein Freistaat mehr!“ „Aber man kann das doch, ich meine, bis zur letzten Patrone kann man das…“ „Patrone Bavariae, was?“ „Lassen Sie das, das führt uns nicht weiter.“ „Wir sind hier quasi von Fremdvölkern umgeben, Tschechen, Österreicher, Deutsche, das sind die Fakten.“ „Meine Herren, jetzt sehen Sie doch bitte mal den gesamtwirtschaftlichen Aspekt. Diese Ausländer fahren doch extra in unser schönes Bayernland hinein, um…“ „Die sollen draußen bleiben! Das sind alles Ausländer!“ „Und was erzählen Sie dann den Fremdenverkehrsverbänden? dass die Branche leider aus Gründen der verfehlten Verkehrspolitik abgeschafft werden musste?“ „Ich habe nichts gegen Ausländer, einige meiner besten Freunde sind Ausländer, aber die leben auch im Ausland und kommen nicht ständig hierher nach Bayern und machen uns die Straßen kaputt!“ „Die müssen aber doch weiterhin kommen.“ „Ja Herrschaftszeiten, wer will denn so was?“ „Wer bezahlt denn dann die Maut?“

„Vermutlich wird Karlsruhe ohnehin im Zuge der Gleichstellung verlangen, dass dann auch die Grenzregionen zu Polen und Dänemark von der Infrastrukturabgabe ausgenommen werden.“ „Teifi, das könnte denen so passen!“ „Die sollen mal schön da oben bleiben, sonst klauen die noch in Bayern unsere ganzen…“ „Aber das ist doch…“ „Jessas, das ist doch die große Gefahr: die Ausländer fallen wieder aus Polen ein und ziehen eine Spur der Verwüstung!“ „Das hat der Russe doch schon ’45 so gemacht.“ „Die Russen von heute bringen wenigstens Geld mit.“ „Oder Gas.“ „Na, davon hatten wir ’45 allerdings genug.“ „Wie stellen Sie sich das denn vor, alle grenznahen Landkreise werden zugesperrt?“ „Ja freilich. Da kommt keiner mehr rein in unser schönes Bayernland.“ „Nur noch die, die schon drin sind, die dürfen sich überall frei bewegen und Geld ausgeben.“ „Und natürlich Maut bezahlen.“ „Aber dann kommt doch auch keiner mehr rein.“ „Und wir haben endlich ein ausländerfreies Bayern.“ „Das muss gefeiert werden!“ „Meine Herren, Sie erkennen offensichtlich den Ernst der Lage gar nicht, oder Sie wollen ihn nicht erkennen!“ „Wieso denn Ernst der Lage – Sie haben doch eben gerade die Gefahr klar umrissen, und wir haben eine gute und praktikable Lösung für das Problem erarbeitet.“ „Genau, so kennen Sie Ihre CSU!“ „Es ist doch nicht damit getan, dass die Ausländer über Hessen und Baden-Württemberg und Thüringen einreisen, das würde doch auch erhebliche Verluste bringen.“ „Wir haben die schließlich nicht hergebeten, dann müssen Sie schon zahlen.“ „Aber Sie wollen doch diese Schutzgebiete an den Zonenrand…“ „An den was, bitte!?“ „… Grenzgebiete dann eben.“ „Eben, dann kommen die auch, und dann machen sie die Straßen nicht ganz so kaputt.“ „Aber Bayern hat dann doch keine Mauteinnahmen!“ „Wenn die Bazis über Hessen kommen, dann eben doch!“

„Wir könnten in den Grenzzonen noch mehr Schnellstraßen bauen.“ „Von den Mauteinnahmen?“ „Erstmal so. Aber dann fahren diese Ausländer mit Mindesttempo durch, und dürfen nicht anhalten, und dann sind sie im Kernland von Bayern, und da wird dann abkassiert!“ „Jesusmariaundjosef, das nenne ich mal gelungen!“ „Aber wenn einer nun über den Landkreis Oberpfalz rein fährt nach Regensburg, da lässt er doch gar kein Geld mehr in der Oberpfalz nicht.“ „Doch, kann er. Er fährt ja irgendwann auch wieder aus Bayern raus.“ „Und das mit den Schnellstraßen, das täte funktionieren?“ „Wir müssten eine neue rechtliche Regelung dafür schaffen.“ „Wir ernennen die Landkreise zu Scheuchgebieten.“ „Sakradi!“ „Ja, aber wenn wir diese Sonderregelungen im Bundesrat nicht durchkriegen?“ „Machen wir’s halt wie immer. Dann blockieren wir die gesamte Maut.“

„Mir bleibt nichts mehr anderes übrig, meine Herren, ich stelle meine Ämter zur Verfügung.“ „Was!? Das läuft doch gerade so gut!“ „Eben, der Seehofer Horst kann doch fordern, was er will, die Bundeskanzlerin macht alles mit.“ „Und die SPD weiß sowieso, dass sie bei ihren Wählern restlos verschissen hat, denen ist das alles egal.“ „Dann müssten wir es bloß noch schaffen, der SPD die Maut in die Schuhe zu schieben.“ „Und was ist, wenn wir dann gar keine Mauteinnahmen mehr haben?“ „Doch, die gibt’s. Nur eben nur außerhalb von unserem schönen Bayernland.“ „Wir sind also damit quasi eine mautfreie Zone?“ „Freilich.“ „Und in die kommt man auch nicht rein?“ „Da muss man schon drin sein, um noch mal reinzukommen.“ „Also völlig unmöglich?“ „Völlig. Wir haben unser Ziel erreicht.“ „Jessas, das ist das Ziel?“ „Natürlich, das hat der Dobrindt doch sicher gemeint, dass die EU mehr Bayern braucht und Bayern mehr EU.“ „Stimmt, und bald kommt man nur noch über Lampedusa rein.“ „Und wer wird das zu verhindern wissen?“ „Prosit, meine Herren!“ „Prosit!“





Abbauprodukte

20 07 2014

Die Kanzlette hat sich zum Geburtstag eine Bundespressekonferenz geschenkt und beantwortet, was sie als Fragen versteht. Sie hält aller Überwachung, den Versuchen einer feindlichen Übernahme durch ein Freihandelsdiktat sowie die Einbettung in völkerrechtswidrige Luftangriffe zum Trotz die Bundesrepublik Deutschland noch immer für einen souveränen Staat. Rationale Menschen spielen die Sache herunter und verweisen auf die Erfolge der Pharmazie; auch mit schnell um sich greifendem Alzheimer kann das Leben noch schön sein (außer für die, die sich das Elend von außen ansehen müssen). Wir glauben, die intellektuellen Abbauprodukte, die Mutti absondert, sind den bilateralen Gesprächen geschuldet. Immer bis zum Hals im US-Führungsoffizier zu stecken hinterlässt halt auf Dauer Spuren. Alle anderen Folgen von chronischem Sauerstoffmangel wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • laufentengeräusche: Leises Watscheln.
  • holbeinpferd bemalen: Braucht ein Mindestmaß an Sachverstand, also lassen Sie’s einfach.
  • feldenkrais raumöffnung: Sie sind eh nicht ganz dicht.
  • bulgarien vergisst führerschein einzutragen: In ihren Führerschein?
  • was steckt in wachteleierschalen?: Wachteleiweiß. Und Wachteleigelb.
  • rohe bratwurst rezept: Kaufen Sie sich eine gebratene und drehen Sie die Uhr zurück.
  • bill kaulitz in lockenwicklern: Hoffentlich waren sie originalverpackt und hoffentlich waren es mehr als zwanzig Tonnen.







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