In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CLXXXVIII)

19 04 2014

Mercedes und Cathy in Felton,
die sich Frühstückseier bestellten,
die salzten die Schale
(ja, mehrere Male),
bevor sie sie endlich abpellten.

Camillo, der wartet in Ne
verzweifelt auf den ersten Klee.
Er wartet seit Wochen
und starrt ungebrochen
zum Fenster hinaus – auf den Schnee.

Als Timothy heimkam nach Proctor,
kam es seinem Dad wie ein Schock vor.
Der war Straßenkehrer,
sein Sohn jedoch Lehrer
und baute jetzt auch noch den Doktor.

Es wartete Shahin in Teheran
beim Schneider. Dort saßen zwei Näher dran,
den Anzug zu ändern
an den Hosenrändern.
Das dauert. So brachte man Tee heran.

Als Zack Zucker fehlte in Morgan,
sprach er: „Dann will ich den besorgen,
das heißt: geh ich heute,
seh ich viele Leute –
ach nein, ich kauf ihn lieber morgen.“

Es war Estéban in Linares
enttäuscht. „Ach, dies Fahrrad, da war es!
Es stand dort im Fenster!“
„Du siehst ja Gespenster“,
der Vater sprach, „hast Du Geld: spar es.“

Es ekelte Elton in Y,
die Frau tischte auf: lauter Brei,
nach langem Gestöhne
um die Weisheitszähne.
„Verzeih“, sagt er, „wenn ich jetzt spei.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXXXVII): Pflichtbewusstsein

18 04 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Dasein in der Steppe ließ nicht viele Möglichkeiten übrig. Die arbeitsteilige Gesellschaft kündigte sich an – die einen feilten die Speere, die anderen jagten das Mammut, der Rest vergrub, was von den Jägern übrigblieb – und damit die Tendenz, im Rahmen seiner Möglichkeiten tätig zu werden, durchaus beschränkt, aber dank der Spezialisierung auch mit dem guten Gefühl, absolut notwendig zu sein. Mit eiserner Disziplin hält sich der Hominide am Stützkorsett der keimenden Zivilisation fest, immer dessen eingedenk, dass er zu funktionieren hat. Schon wird er verantwortlich für den Abtransport der Knochen, seine Personalauswahl lenkt die wirtschaftlichen Geschicke der Höhlen westlich des Fischteichs, und nach der großen Fusion der Gewerkschaft Feuerstein Erde Bims mit dem Gesamtjagdverband sieht er sich als kritisches Korrektiv der Nachhaltigkeit: wenn die Horde weiter so an der Evolution teilnimmt, wer wird dann in wenigen Millionen Jahren noch satt von den Beutelratten diesseits der Schlucht? Das Dasein in der Steppe lässt ja, wie bereits angemerkt, nicht viele Möglichkeiten übrig. Eine davon, und nicht die unbekannteste, ist das Pflichtbewusstsein.

Die Pflicht, sagen die grimmigen Gebrüder, lehre das Fortführen von etwas, das einmal begonnen wurde, bis es vollendet sei. Wozu, das lassen sie offen. Vielleicht ist es die Vorstufe zum Schwefelbad, in dem wir alle irgendwann landen, nachdem wir diesen Durchgang nicht wirklich gerafft haben, vielleicht ist es einfach nur der Beweis, dass das Leben für die unbehaarten Zweibeiner intellektuell zu komplex ist. Wir versuchen es, aber die Ergebnisse sind traditionell gründlich verschwiemelt, und die meisten Exemplare brauchen nicht einmal Rückgrat, um ihren Auftritt steifleinern abzureißen. Eine gründliche Dressur reicht aus, wahlweise auch der obligate Stock im Arsch.

Das Pflichtbewusstsein, jene zu Menschen-, Massen- und Selbsttötung geeignete Waffe, hat sich mit schuppigen Extremitäten ganz ins Zentrum unserer unkritischen Vernunft gearbeitet. Mit etwas Sorgfalt und der nötigen Triebkraft bauen Völker Blumengärten und Folterlager, Sauerkrautfabriken, Schützengräben und Kanonengießereien, auf dass es uns wohl gehe und wir lange lebten auf Erden. Aus den Sonntagspredigten der Kapläne und Kanzletten nehmen wir die Moralsäure entgegen, montags wieder die Segnungen der Tatkraft zu preisen. Einer muss es ja tun, lautet das Mantra, und tut es der Beknackte, so bekommt er wenigstens noch ein paar bunte Scheinchen dafür, die den Marionetten in der Junta die Wiederwahl sichern.

Welch bewundernswertes Geschick legt der Bürger an den Tag, da er vergisst, dass er auch Mensch ist. Als Bürger leistet er sich Präsidenten und andere Laiendarsteller, die von Freiheit lallen, mit heruntergelassener Hose auf den Grundfesten der Gesellschaft thronen und ansonsten den selbstbestimmten Menschen solange loben, wie sie ihn nirgends zu Gesicht bekommen. Nirgends ist er frei, der Funktionierer, nicht einmal in der Mitte des Lebens und nicht einmal da, wo er seinen antifatalistischen Schutzwall aufmauern kann.

Es sickert so nachhaltig ins Leben ein, dass sich die meisten Grützbirnen nicht einmal dagegen wehren, wenn sie den Teufel vor der Tür sehen. Sie joggen aus Pflichtbewusstsein, spielen Klavier aus Pflichtbewusstsein, gehen aus Pflichtbewusstsein spazieren und pflegen ihren Garten, waschen das Kraftfahrzeug und vermehren sich aus lauter Pflichtbewusstsein. (Vermutlich werden sie es ihrem Nachwuchs irgendwann beibringen, dass er nicht ungewollt war, da er ja aus Pflichtbewusstsein in die Welt gesetzt worden wurde.) Der gemeine Bürger verwechselt sein Lebensideal mit dem eingeimpften Vorsatz, möglichst als erster über die Ziellinie zu torkeln, sterbend, aber als erster. Denn er hat längst vergessen, dass man auch aus intrinsischer Motivation Blumen züchten und Marathon laufen kann, dass es keine Karmapunkte gibt für eine Topplatzierung im Kollegenmobbing, dass diese Existenz sich nicht schneller drehen lässt, und wenn ja, dann mit den bekannten medizinischen Effekten. Der verbohrte Wunsch nach effizienter Verrichtung fräst wie ein beklopptes Ungeziefer Luftlöcher ins Hirn, die klinisch Matsch in der Birne machen oder es mit Hilfe rezeptpflichtiger Substanzen bewerkstelligen. Wer das noch für Leben hält, kann sich nur damit trösten, dass er den Schlussgong noch nicht zur Kenntnis genommen hat.

Was aber ist der Mensch, und wenn ja, warum eigentlich nicht? Er ist frei geboren und deshalb schuldig, gründlich gesetzlos, muss seine Wäsche waschen und die Stromrechnung bezahlen, er muss letztlich nur wollen, und darin liegt das Problem: zu wollen, was er muss, und sei es freiwillig. Alles das passiert, während wir nicht einmal wissen, wer sich diesen ganzen Quark eigentlich ausgedacht hat, ob er notwendig ist und was wäre, wenn es nicht so wäre. Tun wir so, als wäre dies kein Verrat an einer Idee, sondern an uns selbst, und widerstehen wir, vielleicht nur einmal. Lassen wir die Pflicht rufen. Der Anschluss ist vorübergehen nicht besetzt. Hier wird gerade gelebt.





Notaufnahme

17 04 2014

Noch nie hatte ich einen Menschen gesehen, der sich so gegen sein Schicksal wehrte. Ich hatte Kälber gesehen, die dunkel ahnten, dass ihre Reise sie ins Verderben führen sollte, vierschrötige Kerle, die beim Anblick eines Zahnarztstuhls grün im Gesicht wurden, und jenen dicken Juristen, der vor der Tür zum Rigorosum zusammenbrach, aber noch nie hatte jemand sich mit derartiger Verzweiflung gesträubt, durch eine Tür zu gehen. „Sein Pech“, bemerkte Siebels und nippte am Automatenkaffee. „Er wollte ins Fernsehen, jetzt ist er im Fernsehen.“

Tatsächlich zerrten zwei kräftige Türsteher den sich windenden Jugendlichen ins Studio, wo eine johlende Menschenmenge auf ihn wartete. Fast hätte ich Mitleid mit ihm empfunden. „Lassen Sie es gut sein“, winkte der Produzent ab. „Er hat sich das hier redlich verdient – das Opfer wird vermutlich noch ein halbes Jahr lang an Krücken gehen, und das Urteil ist rechtskräftig. Sparen Sie sich Ihr Mitleid. Er hat es nicht anders verdient.“

Natürlich hatte er, wie meistens, recht. Der junge Mann, ein Heranwachsender aus bildungsfern anmutender Umgebung, so viel war an seiner Bekleidung schon ersichtlich, er hatte noch am Vormittag geprahlt. Einerseits damit, wie der den Rentner für ein angebrochenes Päckchen Zigaretten in der U-Bahn zusammengeschlagen hatte, und andererseits war er sich noch im Angesicht der Probeaufnahmen sicher, als großer Star aus der Aufzeichnung herauszukommen. „Das scheint sich bei den meisten festgesetzt zu haben“, argwöhnte ich. Siebels nickte. „Es sitzt nur noch fester, dass sie ja alle furchtbar begabt sind.“ Lauter Rapper, Tänzer, Moderatoren saßen dort im Warteraum, der Strafprozessordnung folgend meist in Handschellen und von zwei Polizisten bewacht. „Und es ist ganz normal, dass sie das bis zum Schluss glauben?“ Er grinste schief. „Manche merken es nicht einmal hier.“

Auf der anderen Seite hatte ein Wachmann den lässig tänzelnden Autoknacker im billigen Kunstseidenanzug bereits in den Monitorraum gebracht. Gleich würde der Moment der Wahrheit stattfinden. „Er glaubt immer noch, dies sei eine ganz normale Casting-Show.“ Der Delinquent wurde nicht einmal misstrauisch, als man ihm die Kopfhörer fixierte; er würde sie nicht mehr ohne fremde Hilfe absetzen können, doch das wusste er noch nicht. Auf dem Bildschirm sah er nun sich selbst, wie er eine Stunde zuvor das Aufzeichnungsstudio betreten hatte, überheblich lächelnd, bereits in Siegerpose, obwohl er noch so gut wie nichts geleistet hatte. Noch wusste er nicht, was ihn gleich erwarten würde, viel mehr: er wusste es eigentlich schon, machte sich aber ein völlig falsches Bild davon. „Jetzt“, flüsterte Siebels. In diesem Moment setzte der Gesang ein.

Der Mann wand sich vor Schmerzen, vielmehr: er schämte sich beinah zu Tode. Der Wachmann kümmerte sich nicht um ihn; vollkommen ungerührt blieb er in der Tür stehen und sah zu, wie der Delinquent sein eigenes Geräusch erduldete. „Er hört sich zum ersten Mal im Leben selbst singen“, stellte ich fest. Siebels zog die Stirn in Falten, ironisch. „Ich würde das nicht unbedingt als Singen bezeichnen“, witzelte er, „aber sonst würde ich Ihnen nur ungern widersprechen.“ Dieses peinliche Gejammer, als hätte man dem Autodieb bereits hier alttestamentarische Strafen angetan, löste auch bei mir körperliches Unwohlsein aus. Dem jungen Mann da unten würde es nicht viel besser gehen als mir, aber immerhin hatte auch er sich seine Lage selbst zuzuschreiben. Wie alle anderen hier.

„Man kann über Prangerstrafen denken, was man will, aber dies hier hat durchaus eine heilsame Wirkung.“ Siebels notierte sich etwas auf dem Klemmbrett, bevor er wieder an seinem Kaffee nippte. „Warnschussarrest, Erlebnispädagogik, kreative Strafen, das ist ja alles Quatsch.“ Ich war geneigt, ihm zuzustimmen; der Missetäter in seinem bunten Strampelanzug wand sich wimmernd auf dem Boden. Und noch war ihm nicht klar, dass das Studiopublikum auf der gegenüberliegenden Seite gerade zwei Dinge sah: seinen Auftritt und die Art, wie er selbst darauf reagierte. „Wir holen ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, ganz offiziell und im Auftrag des Justizvollzugs. Die Casting-Show, die an sich schon ihren Hauptzweck darin hat, fehlgeleitete Charaktere dem Spott der Menge auszusetzen, dies Instrument wird nun zu einem psychohygienischen Korrektiv. Kein Straftäter wird jemals wieder an die Öffentlichkeit gehen.“

Auf der anderen Seite humpelte der Jugendliche linkisch auf die Bühne, wo er ein paar unsichere Tanzschritte unternahm. Das Publikum feuerte ihn unerbittlich an. Sie hatten gerade gesehen, wie er gesehen hatte, was aus seiner Bewegungseinlage im ersten Durchgang wurde. Er hatte sich zuvor in diversen Talentsuchformaten angemeldet, das kam erschwerend hinzu. „Und das Ganze geht live über den Sender“, setzte Siebels hinzu, „aber das weiß er natürlich noch nicht. Er merkt es schätzungsweise nächste Woche. Das ist früh genug.“ Nochmals trank er einen Schluck Kaffee. „Und bevor Sie mir mit moralischen Einwänden kommen: sie arbeiten an einer Gesetzesnovelle. Ein Dschungelcamp für Politiker.“ Ich stutzte. Er leerte den Plastikbecher. „Für die, denen Amtseid und Verfassung nicht viel bedeuten.“





Go West

16 04 2014

„Ausgeschlossen, das machen wir nicht. Es ist ganz klar, dass wir als souveräner Staat jeden Zeugen verhören, den wir zur Aufklärung feindlicher Angriffe vorladen können, aber das heißt noch lange nicht, dass wir das auch wollen. Oder den feindlichen Angriff auf uns auch als feindlichen Angriff betrachten, oder uns als souveränen Staat. Sie müssen das alles mal differenzierter sehen.

Wir können nicht für die Sicherheit von Herrn Snowden garantieren, verstehen Sie? Das geht einfach nicht. Wir sind nämlich ein Rechtsstaat, und als solcher müssen wir für alle Bürgerinnen und Bürger das Supergrundrecht auf Sicherheit, also das müssen wir, das werden Sie ja wohl verstehen, weil das ein Grundrecht ist, und in einem Rechtsstaat gibt es Grundrechte, und deshalb ist es auch ein Rechtsstaat. Wenn Sie das abschaffen wollen, dann können Sie es gerne probieren, aber dann frage ich mich, warum Sie eigentlich Herrn Snowden dazu nach Deutschland bringen müssen.

Noch mal, wir können für die Sicherheit von Herrn Snowden nicht garantieren. Doch, könnten wir schon, aber dann können wir sonst für gar nichts mehr garantieren. Vor allem nicht für die Sicherheit der Kanzlerin.

Das hat nichts mit dem Völkerrecht zu tun, dafür sind wir gar nicht zuständig. Das machen die Staaten und so, aber nicht die Regierung. Und deshalb können wir als Regierung ja auch nicht einfach die ganzen Vereinigten Staaten haftbar machen, das wäre völlig falsch, und wir sind nun mal ein Rechtsstaat. Schauen Sie, wir sind ein freies Land, und das sollten Sie gut finden. Hier dürfen Sie frei Ihre Meinung äußern, auch gegen die Regierung, und ich als Regierung darf Ihnen auch sagen, dass mir das egal ist.

Herr Snowden dürfte hier auch alles sagen, klar. Aber dann könnte wahrscheinlich Russland auch nicht mehr für seine Sicherheit garantieren. Und wir wollen doch nicht, dass er unseretwegen in Schwierigkeiten kommt.

Es liegt vorwiegend an diesem internationalen Terrorismus. Wenn es den nicht gäbe, müssten wir auch nicht so viele Verfassungsschützer auf die Terroristen abstellen, die fehlen uns natürlich im Inneren und können Herrn Snowden nicht mehr bewachen. Das liegt am Terrorismus. Wir sind da ganz unschuldig. Es liegt am Terrorismus, wenn es den nicht gäbe, würde uns ja die NSA auch gar nicht abhören. Und dann bräuchte man nicht den Verfassungsschutz. Ach, der kümmert sich gar nicht um Terroristen? Haben Sie das schriftlich? Ich wusste das bis jetzt gar nicht.

Oder hier, dieser NSA-Spitzel. Fällt einfach tot um. Fängt sich Diabetes ein, gerade in dem Moment, wo er aussagen soll, und dann fällt er tot um und wird zufällig in seiner Wohnung gefunden. Das war NSU? Da können Sie mal sehen, man kann nicht vorsichtig genug sein!

Stellen Sie sich mal vor, Herr Snowden steigt in ein Flugzeug ein, dass dann rein theoretisch von den Amerikanern über Deutschland entführt wird, und wir haben gerade kein Luftsicherheitsgesetz, nur so einen grundgesetzkonformen Mist – wir dürfen uns doch für so einen Spion nicht in einen Zwischenfall hineinziehen lassen. Immerhin ist Herr Snowden ein international gesuchter Straftäter.

Aber Sie müssen zugeben, die deutsche Öffentlichkeit ist auch ein Stück weit – ich bin Sozialdemokrat, wir sagen nicht ‚Ich habe keine Ahnung‘ oder ‚Ich lüge Sie jetzt nur an, damit ich wiedergewählt werde‘, wir sagen ‚ein Stück weit‘ – daran schuld, dass es so weit gekommen ist. Die Bundeswehr im Innern einzusetzen ist natürlich verfassungsfeindlich, das weiß ich auch, aber fällt Ihnen denn etwas Besseres ein? Wir können doch hier nicht Guantanamo im Grunewald nachbauen, nur weil so ein durchgeknallter Ami, der jahrelang unsere Kanzlerinnen und Kanzler ausgehorcht hat, jetzt plötzlich seinen Moralischen kriegt! Wir haben ja bald kein Geld mehr für die Ukraine!

Etwas differenzierter, bitte. Ihr Einwand zieht nicht. Und seit wann ist denn Herr Snowden ein Held? Wir können doch jetzt nicht jeden zum Helden hochstilisieren, nur weil er mal einen Friedensnobelpreis – hat er gar nicht? Sehen Sie, nicht mal das hat er geschafft, und Sie machen den Mann gleich zum Helden. Lächerlich! Stauffenberg? Bei Ihnen piept’s wohl! Sie müssen das viel differenzierter sehen, den haben sie zu Recht aufgehängt. Ein Attentat auf die Regierung, und dann müssen Sie sich mal überlegen, was bei so einem Bombenanschlag alles hätte passieren können. Viele unschuldige Menschen, die Bausubstanz, die Umweltfolgen, vielleicht hat einer der Soldaten sogar einen Knallschaden erlitten, der war doch dann für sein ganzes Leben gezeichnet. Was lernen die Kinder eigentlich heute in der Schule?

Wir können uns vorstellen, Herrn Snowden in Moskau zu befragen. Wir fahren da alle nach Moskau, natürlich nicht der gesamte Ausschuss, man muss mal sehen, wer denn da am besten geeignet wäre, und dann müssten wir mal sehen, ob wir irgendwelche Fragen stellen.

Sie können ja gegen die Russen sagen, was Sie wollen, aber gegen diese Terroristen setzen die sich immer noch durch. Vor denen haben die keine Angst. Afghanistan? Ich weiß jetzt nicht, was Sie meinen. Aber Sie haben schließlich an der letzten Präsidentenwahl gesehen, dass es da absolut sicher zugeht. Bei den Olympischen Spielen auch. Kein Terrorismus. Höchstens mal so eine Mädchenband, die ins Fernsehen will. Aber sonst war das alles doch recht friedlich.

Wir sollten das viel differenzierter sehen. Die Russen sorgen für Sicherheit, was wir natürlich auch anerkennen, und im Gegenzug werden wir unsere ansonsten natürlich durchaus berechtigte Kritik an den Völkerrechtsverstößen auf der Krim und in der Ostukraine sehr viel differenzierter formulieren. Falls wir nach einer gewissen Pause der internationalen Verhandlungen überhaupt noch die Zeit finden, in einer neuen Diskussion uns in die inneren Angelegenheiten unserer russischen Freunde einzumischen. Das würde bestimmt dem europäischen Gedanken viel mehr schaden als ein klares Bekenntnis zur Freiheit und zum Rechtsstaat, wenn ich Sie richtig verstehe, oder?“





Schnappschützen

15 04 2014

„… nur durch eine Erweiterung des Strafrechts schützen lasse. Es sei geplant, Nacktbilder von Kindern und andere bloßstellende Fotos unter Strafe zu stellen, auch wenn dies nicht öffentlich…“

„… generell unter Strafe zu stellen, wenn ein Foto von Unbefugten aufgenommen werden sollte. Zur Sicherheit könne der Kameraführer ab sofort ein gelbes Abzeichen…“

„… jedes Familienfest als Brutstätte für gerichtliche Auseinandersetzungen gelte. Der Deutsche Anwaltverein sei sehr zufrieden und prophezeie einen rasanten Aufschwung der…“

„… eine theoretische Strafbarkeit vielleicht entfallen würde, wenn die Urheber die Bilder nicht im Internet publizieren wollten. Dies könne zu einer neuen Schutzlücke führen, so Maas; möglicherweise öffne dies Tür und Tor für Handlungen von Bürgern, die die regierenden Sicherheitsbehörden auf Grund der geltenden Gesetzeslage nicht mehr kriminalisieren könne, was eine verheerende…“

„… wolle der Bund Deutscher Kriminalbeamter vorerst noch keine Schulung des Personals vornehmen. Die Mitarbeiter seien noch immer damit überfordert, Filmstreifen so aus einer Kamera zu ziehen, dass das Material nicht durch eine Belichtung unbrauchbar…“

„… könne die Strafbarkeit der Nacktdarstellung bereits entfallen, wenn zuvor eine schriftliche Einverständniserklärung abgegeben werde. Ob dies bei Säuglingen möglich sei, entziehe sich jedoch seiner Kenntnis, so Staatssekretär…“

„… ob man in Deutschland vertriebene Geräte so bauen könne, dass die Bilder ohne das Wissen der Benutzer sofort ins Internet hochgeladen…“

„… sollten auch Betrunkene besser geschützt werden. Die FDP habe sich besorgt gezeigt, nun Brüderle aus sämtlichen Mitschnitten der vergangenen Bundesparteitage zwangsweise zu…“

„… dürfe man kein Mitleid mit Schnappschützen zeigen. Norbert Geis fordere den Schutz sämtlicher deutscher Staatsbürger vor dem drohenden sozialistischen Lichtbildterrorismus, ausgenommen alleinerziehende Frauen, Schwule, Angehörige atheistischer Religionen sowie…“

„… begrüße der BDK eine Umstellung aller Fotoapparate auf Filmkassetten, da diese bei der Sicherstellung nicht zwingend zur Zerstörung des Beweismaterials…“

„… sich Lucke dahin gehend geäußert habe, man müsse allen nichtdeutschen Eindringlingen ins Bundesgebiet die Fotokameras abnehmen, um den Anstieg der Ausländerkriminalität endlich…“

„… eine Einwilligung regelmäßig nicht vorliege, wenn das fotografierte Kind schlafe. Die Industrie sei nun gefordert, ein Fotohandy zu entwickeln, das vor dem Auslösen einen lauten Hupton…“

„… lediglich für Bildaufnahmen. Im Falle von Videos habe Maas sich zuversichtlich gezeigt, weiterhin das Urheberrecht für jeden beliebigen Zweck zu…“

„… aus BND-Kreisen verlaute, dass die NSA sich kooperativ zeige. Selbstverständlich werde man der Bundesregierung helfen und fortan jedes Foto ins Internet stellen, auch gegen den ausdrücklichen Willen des Urhebers. Einer unbeschränkten Strafverfolgung stehe nun nichts mehr im…“

„… habe die Öffentlichkeit dennoch ein Recht, verstümmelte Opfer von Autobahnunfällen im Fernsehen zu sehen, da es sich um das Grundrecht auf Information…“

„… es kein Zufall sein dürfte, dass eine niederländische Firma Filme für Sofortbildkameras liefere. Der BDK habe das umgehende Verbot dieses Typs gefordert, da keine Spuren mehr…“

„… eine Einverständniserklärung für Säuglinge und Kleinkinder natürlich auch durch deren Eltern rechtswirksam abgegeben werden könne. Die Koalition werte diesen Schritt als Durchbruch in eine durchaus rechtssichere…“

„… sogenannte Posing-Aufnahmen strafbar seien. Dobrindt müsse nun den gesamten Europa-Wahlkampf nur mit der Schreibmaschine…“

„… für eine Verschärfung des Strafrechts ausgesprochen. Uhl sehe es als erwiesen an, dass nur durch eine unbefristete Speicherung sämtlicher Daten alle…“

„… auch Aufnahmen blutig geschlagener Demonstranten eine Ausnahme darstellten. Wer in der Bundesrepublik Deutschland Grundrechte wahrnehmen wolle, müsse eben damit rechnen, jederzeit von den nationalen Sicherheitsorganen richtig eins in die…“

„… eine Einverständniserklärung durch die Eltern als menschenverachtenden Täterschutz bezeichnet, der selbst für Laien klar erkennbar gegen die Verfassung verstoße. De Maizière sehe das auch so und begrüße es nun sehr, dass ein Gesetzentwurf, der so klar vom Rechtsverständnis der Union geprägt sei, für ungebrochene…“

„… angefragt, ob sie für diese Aktion das Ressort wechseln solle, da sie sich gerne für die rücksichtslose Durchsetzung des Rechts zur Verfügung stelle. Die Kanzlerin habe von der Leyen jedoch beschieden, sie sei aus genau diesem Grund auch richtig besetzt und es bestehe kein Bedarf einer Diskussion über eine erneute…“

„… die nackten Frauen mit Schwefelsäure übergossen und mit Moniereisen zerschlagen zu haben. Ferner habe die Ortsgruppe der Jungen Union ihre Bildungsreise in die Glyptothek genutzt, um die Hauptwerke der hellenistischen Periode mit Hilfe einer Kettensäge und eines…“

„… von unbekleideten Personen. Kai Diekmann habe nach seinem Eintritt in Die Linke der Koalition einen Vernichtungskrieg…“

„… habe Polizeihauptmeister Akif H. (45) das Smartphone des Verdächtigen auf den Boden geworfen, mehrmals mit Pfefferspray besprüht, mit dem Schlagstock bearbeitet und schließlich zertreten. Laut Darstellung des BDK sei es dem Beschuldigten jedoch gelungen, die Filmspule vorher unbemerkt aus dem Gerät zu…“

„… nochmals klargestellt habe, dass keine wie auch immer gearteten peinlichen oder entwürdigenden Fotografien veröffentlicht werden dürften. Es sei damit juristisch ausgeschlossen, jemals wieder ein Bild von Sigmar Gabriel zu…“

„… es Eltern zwar gestattet sei, ihre Kinder nackt in der Badewanne zu fotografieren, im Falle eines Wohnungseinbruchs hätten sie für den Diebstahl der Bilder eine mehrjährige Haftstrafe…“

„… die SPD das Konzept Fotoapparat-Führerschein als zukunftsweisend gelobt. Das von Kauder, Bosbach und Schäuble erarbeitete Papier werde voraussichtlich in der kommenden Version von 2017 um das Kapitel ‚Geräte, wo mit Digitalstrom direkt in das Interwebnetz knipsen tun‘ erweitert und auf Verfassungskonformität…“

„… über die Schwierigkeit einer Definition, welche Art von Bildaufnahmen der eigenen Kinder automatisch strafbewehrt seien und welche erst auf Antrag des Staatsanwalts verfolgt würden. Als Richtschnur schlage de Maizière zur Wahrung der Traditionspflege das gesunde Volksempfinden…“





Testbetrieb

14 04 2014

„Sie können ihn erstmal für drei Monate kriegen. Dann haben Sie sich vielleicht schon an seinen Arbeitsstil gewöhnt. Und mit etwas Glück hat er sich auch schon mit Ihrem befasst. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Nicht mal bei Mehdorn.

Sie sollten sich frühzeitig aufstellen, der Wähler erwartet das. Neue Gesichter wollen reifen. Eine neue Idee muss schon komplett durchgekaut sein. Ihre Partei hat nicht die besten Startvoraussetzungen, weil Sie zwar an der Regierung sind, aber nur die SPD. Also gut, weil Sie die SPD sind, das reicht als Handicap. Das ist schon nicht leicht zu kompensieren.

Sie bräuchten jetzt vielleicht auch ein bisschen mehr Druck, oder? Da kann ich Ihnen Mehdorn wärmstens empfehlen. Druck kann er. Naja, viel mehr kann er eigentlich nicht. Aber Druck, das kann er. Und wenn Sie gerade auch mal keine Ideen haben, Ideen kann er auch. Und Druck. Die Ideen sind nicht neu, und eigentlich sind es auch keine Ideen, aber er baut doch eine gewisse Erwartungshaltung auf, mit der sich Ihre Partei wird identifizieren können. Falls Sie nicht schon genug Druck haben.

Vor allem glaube ich ganz einfach, dass er sich in der SPD wohlfühlen wird. Er gehört einfach zu ihnen. Zu Ihrer Unternehmenskultur. Zu Ihrer Geschichte. Zu der Attitüde, wenn Sie verstehen, was ich meine. Sämtliche Errungenschaften, die über Jahre, über Jahrzehnte mühsam erstritten und aufgebaut und gefestigt wurden, alles an Glaubwürdigkeit, Souveränität und Bodenhaftung, alles das mit dem Arsch wieder einreißen, das ist wirklich SPD. Doch, das passt exzellent zusammen.

Der Mann hat nämlich Schlüsselqualifikationen. Der kann zwar nicht Kanzler, aber in Deutschland brauchen Sie eine ganze Reihe anderer Dinge, um sich nachhaltig durchzusetzen. Heißluft. Der Mann kann Heißluft. Ehrlich! Mehdorn sondert derart viel Heißluft ab, der kriegt pro Jahr glatt eine Gesundheitsreform hin und wickelt im Vorbeigehen noch ein Bundesministerium durch Insolvenz ab. Das hätte nicht mal die ganze FDP geschafft.

Von der Personalstruktur, also vom Personal, so wie Sie es jetzt kennen, würde ich erstmal Abschied nehmen. Das ist schon relativ CDU-nah. Mehdorn ist ja dafür bekannt, dass er sachliche Kritiker sofort aus dem Weg räumt. Kann sein, dass er und Merkel denselben Management-Trainer hatten. Aber sehen Sie ihn als eine Kompassnadel, die immer nach Süden zeigt. Wenn Mehdorn sich verzweifelt gegen etwas wehrt und die Fachleute entlassen will – setzen Sie es sofort durch. Sie liegen garantiert richtig.

Und Sie werden damit Ihr Führungsproblem lösen. Sie kaufen einen großartigen Verkäufer, der jedes Unternehmen an die Börse kriegen will. Nein, es geht erstmal nur ums Wollen. Und nur um das Unternehmen. Dass Sie kein nicht viel zu verkaufen haben, bleibt ja Ihr Problem.

Sie können Mehdorn erstmal für den Testbetrieb übernehmen, würde ich sagen. Sie wissen ja, wie solche Abläufe funktionieren, nicht nur für den Flughafen. Wie bei der Agenda 2010 und der strukturellen Stilllegung des Arbeitsmarktes. Oder wie Ihr Vorsitzender gerade die Energiewende an die Wand fährt. Simulation des Echtbetriebes ohne wirtschaftliche Bedeutung, um während der Durchführung ein Maximum an Steuereinnahmen zu verheizen. Testbetrieb halt. Oder hatten Sie für die nächste Zeit irgendetwas anderes vor?

Doch, mit dem Mann kriegen Sie eine ganze Legislaturperiode gerockt. Eine ganze. Nicht so eine Lusche wie Friedrich, der schon am ersten Tag genug Argumente für einen Rücktritt liefert. Der hält durch. Da wissen Sie, der hat keine Ahnung, aber immer sind die anderen schuld. Eine Ausflucht nach der anderen. Notfalls liegt es am Wetter, oder sämtliche Gartenzwerge haben sich gegen ihn verschworen. Wenn Sie mal eine Drohnenaffäre haben, weil die ganze Verteidigungsmischpoke Ihnen auf der Nase herumtanzt – setzen Sie den als Sonderbeauftragten ein. Zum Schluss glaubt das ganze Volk, dass wir noch mehr Drohnen brauchen, und zwar um jeden Preis. Und sofort. Und keine Kontrollen mehr, weil der Feind mithören könnte.

Zahlen schönrechnen, das macht doch die Bundesagentur für Arbeit heute schon mit einem Erfolg, den Sie sich nicht hätten träumen lassen, oder? Sehen Sie, und genau das Erfolgsmodell übertragen Sie jetzt einfach auf die übrige Politik. Pflegemangel? Rentenlücke? Mehdorn! Zu wenig Lehrstellen für Jugendliche und die SPD sackt unter zehn Prozent? Mehdorn! Der Mann hat’s eben voll drauf. Wenn Sie mal betrachten, was sein Patentrezept ‚Sparen ohne nachhaltige Effekte‘ in der aktuellen Euro-Krise alles gebracht hat, vor allem im Ausland, und dadurch natürlich im Vergleich auch wieder für Deutschland, also ich finde das ja beachtlich.

Chaos? Natürlich hinterlässt der Mann nichts als Chaos. Und Trümmer und Schulden und die eine oder andere Pleite vielleicht. Aber denken Sie denn gar nicht an die Zeit nach Ihrer Regierung?“





Recht, billig

13 04 2014

Dem Arbeitsgericht Cottbus sei Dank. Endlich wissen wir, ein Stundenlohn von 1,54 € ist zwar sittenwidrig ist, ein Rechtsanwalt aber, der seine Angestellten derart entlohnt, handelt nicht ausbeuterisch. Auch könne ihm eine verwerfliche Gesinnung nicht nachgewiesen werden. Und die Beschäftigten seien ja freiwillig bei ihm tätig. Das JobCenter Oberspreewald-Lausitz dürfte Letzteres etwas anders interpretieren. Sollte der Vorsitzende demnächst eins aufs Dach bekommen – Hirnfunktionen sind keine zu erwarten, die dadurch geschädigt werden könnten – wird die juristische Würdigung einfach sein. Vielleicht hat der Täter ja aus bösen Absichten gehandelt und man kann sie ihm nur nicht nachweisen. Oder der Vorsitzende hat zuvor nicht schriftlich widersprochen. Weitere Handreichungen für einen ungezieferfreien Garten wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • analyse des aufbaus durch das volk und für das volk wurde großes vollbracht: Plattenbau?
  • stippgrütze deko: Wir empfehlen Labskaus.
  • stoppschild zum ausmalen: Arbeitet Ursel schon am Luftsicherheitserschwerungsgesetz?
  • zwetschgen datensatz bayrisch lernen: Dobrindt hat gerade nur eine Lösung für analoge Datenautobahnen parat.
  • geldrückgabe schacht bei zigarettenautomat verstopfen: Dann stecken Sie oben Geld rein und kriegen es unten wieder raus, um nicht rauchen zu müssen?
  • buettenrede doktor und patient: Schavan bereitet sich gerade auf den zweiten Teil vor.
  • jägerlatein häkelmuster: Das sogenannte faux filet.







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