Braunkohle

3 09 2014

„… dass das Verbotsverfahren gegen die NPD ausgesetzt werde. Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag habe die rechtsradikale Partei gezeigt, dass sie nicht mehr die Relevanz für eine…“

„… habe der ehemalige Parteichef Apfel erklärt, in seiner Gaststätte höchstens zwei Teilzeitstellen für Saisonkräfte zu…“

„… die Mittel für einen Verbotsantrag bereits verplant worden seien. Die CDU habe stattdessen vorgeschlagen, die Gelder für ein Verbot der Linken zu…“

„… habe die sächsische CDU das Ausscheiden der NPD aus der Landespolitik ebenfalls bedauert. Dies sei ein weiterer Verlust für die Demokratie in Ostdeutschland, da so die Wahlbeteiligung beim nächsten Urnengang nochmals geringer als im…“

„… würden die Extremisten auf eine Neuauszählung der Stimmen bestehen. Bis zur Abschaffung des Rechtsstaates durch sie selbst seien sie sicher, dass dessen Wahlrecht auch für sie eine grundsätzliche…“

„… auch nicht als Helfer im Druckgewerbe qualifiziert seien. Außerdem werde dies in Polen sowohl preiswerter als auch wesentlich besser…“

„… die Personalsituation sehr schwierig werde. Pastörs habe zwar sämtlichen Gerüchten energisch widersprochen, die Partei sei derzeit führerlos, könne aber auch keine eindeutige…“

„… dass der Spitzenkandidat Holger Szymanski versucht habe, sich die Marke BRD GmbH schützen zu lassen, um für die künftigen Kommentare im Weltnetz jeweils kostenpflichtige Abmahnungen…“

„… den Verbleib der Braunen in der Landespolitik gefordert habe. So wolle die Union die Alternative für Deutschland nicht als Nachfolger der NPD akzeptieren, da ihr von den bisherigen Nazis sowohl eine bessere Abgrenzung als auch…“

„… ohne die Einnahmen aus der sächsischen Landtagsfraktion quasi mittellos…“

„… gegen die unionsinterne Kritik verteidigt. Auch in der CDU, so Strobl, werde stets nach Tagesform entschieden, ob man das Grundgesetz gezielt bekämpfe oder nur aus Gefälligkeit für Lobbyisten mit nachlässigen…“

„… dass auch Mitglieder gewaltbereiter Motorrad-Gangs sich für Vorstandsposten innerhalb der Partei eignen könnten. Der Bundesvorstand begrüße dies außerordentlich, da sich damit völlig neue Finanzierungsmodelle für den…“

„… sofort abschlägig beschieden habe. Die AfD sei allerdings gegen eine Zusammenlegung der Landesverbände gewesen, da sie bei dieser Fusion auch die Schulden ihrer politischen Partner hätte übernehmen müssen, was beim jetzigen Stand der Goldeuro-Verkaufsaktion noch nicht ganz…“

„… beobachtet worden sei, dass die braunen Abgeordneten nicht nur ihre Möbel, sondern auch Steckdosen und Türklinken…“

„… einen Teil der offenen Finanzen dadurch zu klären bereit sei, indem hauptberufliche Kräfte ein bedingungsloses Grundeinkommen vom BND…“

„… habe Fraktionssprecher Thomsen gegenüber der Presse von Unregelmäßigkeiten berichtet. Nicht alle Parteimitglieder hätten wie verabredet vor den Wahllokalen einen Fünf-Euro-Schein für jede abgegebene Stimme an die…“

„… seien die Tagebücher von Goebbels aufgetaucht, die Szymanski dem stern gegen eine Summe von…“

„… dass die Partei rechtmäßig Gelder aus öffentlicher Hand erhalten müsse, da auch in anderen Bundesländern einer Förderung der Braunkohle…“

„… vermisse die Landtagsverwaltung aus den Räumlichkeiten der Nationaldemokraten auch ein Klappfenster sowie mehrere…“

„… schlage die NPD vor, ihren Verbleib im Landtag mit Hilfe eines Volksentscheides zu…“

„… ob auf Landesebene eine Kooperation mit den Freidemokraten denkbar sei. Die NPD wolle sich nicht politisch mit ihnen verbünden, hoffe aber, sich mehrere Parteispender als Leihgabe…“

„… dass ungefähr 10.000 rechte Wähler diesmal zu Hause geblieben seien. Szymanski habe dies auf die Wetterlage geschoben, die eindeutig Teil einer jüdisch-kommunistischen Klimaverschwörung…“

„… mit einem sogenannten ‚Schrott-Kaufhaus‘ bekannt geworden sei. Die NPD eigne sich allerdings nicht, um als eigenes Produkt auf der Resterampe einen…“

„… eine politische Umorientierung kein Tabu sein dürfe. Nach dem parlamentarischen Ende der FDP gebe es nun niemanden mehr, der sich als hauptberuflicher Mehrheitsbeschaffer für die CDU betätigen wolle. Dies, so Voigt, sei eine Marktlücke, die auch von der AfD nicht bundesweit…“

„… sich de Maizière mit den Rechten solidarisiert habe. Ohne diese tragenden Kräfte des Nationalismus, so der Bundesinnenminister, müsse man einen starken Abbau von Arbeitsplätzen fürchten, was bereits jetzt beim Verfassungsschutz und den…“

„… könne sich Szymanski auch vorstellen, rückwirkend gegen die Fünf-Prozent-Hürde Klage einzureichen. Seine Partei sei generell rückwärts gewandt, daher sei dies ein legitimes…“





Return on Investment

2 09 2014

„Was würden Sie denn investieren? So wenig? Sie dürfen nicht vergessen, wir waren eine supertolle Regierungspartei in einer der großartigsten – nein, das verwechseln Sie jetzt. Die FDP ist gerade am Arsch. Wir sind die neue Partei. Uns können Sie dafür gar nicht verantwortlich machen.

Ja, wir sind schon irgendwie liberal, aber das ist doch jetzt kein Diskussionspunkt für Sie, oder? In dieser Parteienlandschaft liberal zu sein ist immer auch ein irgendwie geartetes Irgendwie. Uns ist das sowieso egal, aber das ist doch nicht der Punkt. Wir wollen uns von der ramponierten Marke lossagen. Das hier ist ein parteipolitischer Relaunch des deutschen Liberalismus. Nur halt ohne Partei. Und das mit der Politik machen wir auch irgendwann später, okay?

Klar, das ist schon eine Schlagzeile wert, aber da stimmt auch wieder nur die Hälfte. Da steht, dass die alten Kräfte jetzt eine linksliberale Partei gründen wollen. Also zunächst mal ist das nicht links, das macht ja momentan schon die Kanzlerin. Und da sie auch manchmal sozial und ab und zu demokratisch ist, brauchen wir das Terrain nicht auch noch zu besetzen. Von Partei ist auch nicht die Rede, zumindest nicht bis zur Gründung. Sie haben das doch für diese AfD auch so gemacht: bis zum Parteitag war das eine Interessengemeinschaft für die Wirtschaft, oder? Dann können wir das doch so auch handhaben. Ist Ihnen sicher auch lieber.

Zunächst mal ist das ja eine Frage der Finanzen. Und da dachten wir natürlich an Sie, weil Sie als Wirtschaftsmacht in Deutschland schon vor langer Zeit – ach so, ja. Vor langer Zeit. Dann kam also Westerwelle. Na, das ist Ihre persönliche Meinung. Uns würde das von einer Spende für den Aufschwung des deutschen Freiheitsgedankens nicht abhalten, wollte ich Ihnen nur mal gesagt haben. So als Bundesbürger zu Bundesbürger. Auch wenn Sie das momentan gar nicht interessiert.

Sie zeichnen jetzt eine Spende für unser neues Projekt – das machen unsere Steuerberater, die kriegen das schon hin, die haben schon den ganzen Laden von Lambsdorff geregelt – und dann haben wir bis zur nächsten Bundestagswahl eine neue politische Kraft, die sich für die Belange der liberalen Bundesbürger, oder was wir dann, oder vielleicht haben Sie auch etwas beizusteuern? Da sind wir recht offen, das ist alles eine Frage der Kosten. Also des Preises. Beziehungsweise – ich mache Ihnen ein Angebot, Sie zeichnen jetzt eine Option auf ein Gesetz in einem Bereich Ihrer Wahl, Kündigungsschutz, Banken, Versicherungen, und dann werden wir Sie sofort nach der Wahl – Energie? Tut mir Leid, da müssen Sie sich direkt an die SPD wenden, die sind inzwischen näher dran als die Kanzlerin. Wenn Sie nicht zufällig selbst Aufsichtsratsvorsitzender sein sollten, haben Sie gegen Gabriel so gut wie keine Chance mehr.

Weil Deutschland eine neue liberale Partei – auf jeden Fall fehlt hier eine Antwort auf das, was wir als nicht liberal verstehen. Dies Land muss wieder neue Impulse für ein vernünftiges, mitfühlendes Wirtschaftswachstum haben. Sehen Sie Lindners Frisur? Das wollen wir für Deutschland!

Wir wissen doch nicht, wer sich da engagieren will. Angefragt haben wir bei den Fachkräften. Niebel, Rösler, Döring. Die Personaldecke war noch nie berauschend bei uns, aber das ist nun mal ein Fehler der anderen liberalen Partei. Dafür können Sie uns nicht verantwortlich machen.

Also hören Sie mal, Freiheit heißt doch heute, Selbstbestimmung und Kontrolle über die eigenen unmittelbaren Lebensbedingungen zu behalten! Diese ganze absolutistische Bürokratie, diese international agierenden Monopole – wenn die Amerikaner einen ausspionieren, dann möchte ich doch vorher Endbenutzerlizenzvereinbarung lesen, das mache ich doch bei meinen Updates auch! Wir sind doch moderne Menschen, an denen kann man doch nicht so einfach vorbeiregieren, oder?

Deshalb dachten wir uns das auch als Aktiengesellschaft, damit Sie genau so viel kaufen, wie Sie später an Investitionsvolumen rauskriegen wollen. Return on Investment, man kann ja die Marktgesetze nicht einfach außer Kraft setzen, nur weil man linksliberal statt freidemokratisch ist. Gut, von allen demokratischen Anflügen frei sind wir jetzt immer noch, aber das können wir später dann ins Parteiprogramm schreiben.

Sehen Sie das mal so gesamtdemokratisch, oder irgendwie so. Bisher waren es drei Prozent, und da die Summe immer mehr ist als die einzelnen Teile, sind unsere Chancen ungleich höher. Das muss Ihnen doch einleuchten. An der Börse geht’s ja ähnlich logisch zu. Wir sind dann zur nächsten Bundestagswahl 2107 personell und inhaltlich so aufgestellt, dass wir genau die Interessen der bisher nicht berücksichtigten liberalen Unternehmen, die durch irgendwie liberale Bürger, oder wollen Sie das nicht? Stellen Sie sich doch nicht so an, bisher haben wir das doch auch hingekriegt. Sie als Unternehmer brauchen halt Wähler, die uns legitimieren. Das hat doch schon einmal geklappt, und dann haben wir ja auch nicht gemacht, was wir vorhaben wollten, also wo ist das Problem? Nein, Sie müssen sich da nicht festlegen. Machen wir ja auch nie.

Okay, mein letztes Angebot. Sie kaufen dann prozentweise. Sie würden nach unserem Wahlsieg anteilig für die Abgeordneten im Bundestag eine jeweilige –

Drei Prozent!? Ach leck mich doch!“





Dingsheim an der Bumse

1 09 2014

Hülsenbeck war die Sache sichtlich unangenehm. Anne war es ebenso unangenehm, dass die Sache für Hülsenbeck unangenehm war. Ich legte meinen Mantel zusammen und gab ihn an der Garderobe ab. Die besten Voraussetzungen, um einen wirklich angenehmen Abend zu verbringen.

„Ich weiß auch nicht, woran es liegt.“ Anne war wie immer die Ruhe selbst, während sie sich die Knöpfe an ihrem schwarzen Jäckchen abdrehte. „Diese schlechten Manieren, dieses unleidliche Gesicht, ich weiß nicht, warum er überhaupt mitgekommen ist.“ Ich warf einen kurzen Blick auf den Sitz meiner Krawatte. „Weil es ihn nichts kostet. Und seien wir mal ehrlich, es ist doch gut, wenn er seinen Charakter gar nicht erst zu verbergen sucht.“ Max Hülsenbeck, seiner eigenen Einschätzung nach einer der besten Staatsanwälte im weiten Umkreis – man hatte ihn sicher seit Jahren nicht befördert, um so eine begnadete Fachkraft nicht zu verlieren – wirkte etwas nervös. „Schön, dass Sie meine Einladung angenommen haben.“ Er biss sich auf die Lippe. „Das heißt, Sie sind ja nur die Begleitung meiner Begleiterin. Also benehmen Sie sich entsprechend.“

Vor zwei Wochen hatte Anne euphorisch verkündet, sie und Max würden in eine hübsche Maisonettewohnung am Mühlbachgrund ziehen; zwei Tage später ließ sie auf seine Kosten den Kurierdienst ein Paar Socken zu ihm transportieren mit der rechtsverbindlichen Auskunft, sie nie wieder zu behelligen. Inzwischen ist ein längerer Winterurlaub in den Seealpen geplant. Mit etwas Glück lebt einer von ihnen dann noch, und ich würde nicht auf Hülsenbeck tippen. Dieser jedoch witterte angesichts der Verlobung der Tochter von Staatsanwalt a. D. Husenkirchen seine Chance, vielmehr: er überzeugte Anne davon, dass er überhaupt eine haben würde. Durch einen kleinen Lapsus war Anne einerseits als meine Begleitung, andererseits als Freundin des Hauses doppelt eingeladen. Als über den Dienst hinaus korrekter Jurist, der Husenkirchen nun mal ist, stand eine Wiederaufnahme des Einladungsverfahrens nicht zur Debatte; Hildegard hatte keine Zeit, Anne wollte die Einladung nicht verfallen lassen, so ließ sie sich überreden, Max mitzunehmen. „Er muss nur ein paar Leute treffen“, sagte sie beschwichtigend. „Möglicherweise hilft das seiner Karriere auf die Sprünge.“ Ich war nicht dagegen. Es würde ihm nicht helfen, konnte aber auch nicht schaden. Zumindest nicht, dass ein paar Leute ihn träfen, die bisher nur von ihm gehört hatten.

Die Runde der illustren Strafrechtler stieß gerade auf das Wohl des jungen Paares an. Husenkirchen begrüßte Anne korrekt, während Hülsenbeck bei der Tochter schon zum Handkuss ansetzte. „Blamier mich nicht“, zischte Anne. Er sah sich irritiert um. „Vermutlich wird er sich erst den Schwiegersohn vornehmen“, witzelte ich. Anne betrachtete konzentriert das Parkett.

Die Stimmung wollte nicht recht steigen. Max drängelte sich hinter mich und bat eine Spur zu laut, dem Gerichtspräsidenten vorgestellt zu werden. Ich drehte mich langsam um. „Warten Sie, bis Sie an der Reihe sind.“ Gesellschaftliche Konventionen schienen nicht sein Terrain zu sein. Landrichter Uthgenannt, der dem Standardscherz über seien Familiennamen eine neue Variation hinzufügte, bemerkte es mit einem Anflug von Missbilligung, hatte aber wohl gleichzeitig Mitleid. Er reichte Max ein Glas, das dieser bereitwillig ansetzte.

Uthgenannt brach schließlich das Eis. „Sagen Sie“, soufflierte er, „Sie sind doch ein weit gereister Mann, auch was die Weine angeht – gibt es in Ihrer Nähe nicht dieses kleine Fischlokal, wo man von der Terrasse in den Burggraben hinunterblickt?“ „Sie meinen Bad Salzschlürf“, unterbrach ihn ein vorlauter Assessor. Ehe ich eingreifen konnte, straffte sich Hülsenbecks Brust. „Richtig“, nickte er, „an Bad Salzschlürf habe ich nämlich die besten Erinnerungen, Sie müssen wissen, dass mein Vater in der Gegend geboren wurde.“ „Ich wusste gar nicht“, erstaunte sich Husenkirchen, doch Max war bereits in voller Fahrt. „Wir stammen ja in zehn Generationen aus dem Rheinland, nur meine Eltern sind in den Norden gezogen.“ Er blickte mich mit gekünstelter Kameraderie an. „So haben wir uns ja auch kennen gelernt.“ Ich nickte. „Ein Seminar in Bad Mahlentee.“ Uthnenannt suchte etwas in seinem Kopf, ich wusste ungefähr, was es sein könnte. „Eine famose Gegend zum Segelfliegen, und Golf spielen kann man da auch ganz passabel.“

Anne war im Gespräch mit Husenkirchens Tochter. Sie zeigte auf etwas in der Nähe von Max’ Hinterkopf. Sicher kniff sie nur aus Zerstreutheit ein Auge zu.

„Dann ist da diese spätgotische Kleinbasilika“, überlegte ich, „wie hieß die noch?“ Max schaute angestrengt. „Die Sankt-Dingens-Kirche, wenn ich mich nicht täusche?“ „Bestimmt“, plapperte er, „ein sehr imposanter Bau, mindestens aus dem 15. Jahrhundert.“ Uthgenannt und der Assessor knirschten hörbar mit den Zähnen. „Ein wundervolles Licht, wenn ich mich recht erinnere. Sie waren auch mehrmals da?“ Hülsenbeck war mehrmals da gewesen. „Es war im Sommer, als die vergoldete Mutter Gottes ausgestellt wurde, eine Stiftung der hiesigen Schraubenmanufaktur.“ „Wundervoll“, bestätigte er. „Einzigartig!“

„Wo ist übrigens Max“, fragte Anne, während sie der Gattin des Assessors unter dem Siegel der Verschwiegenheit verriet, dass Husenkirchens künftiger Schwiegersohn entsetzlich schnarchte. „Er wird doch nicht schon gegangen sein?“ Ich reichte ihr ein Glas Champagner. Anne war aber auch furchtbar nervös. „Hat er mich blamiert?“ „Dich?“ Ich lächelte. „Nicht, dass ich wüsste.“





Frontberichterstattung

31 08 2014

Wieder wurde ein Journalist getötet, der den Kampf gegen die Feindmächte festhielt und bis zum letzten Atemzug Zeugnis ablegte von der Überlegenheit der freiheitlich demokratischen Wirtschaftsordnung. Besonders bedauerlich, dass Bryce Dion, der für die US-amerikanische Bullen-knallen-irgendwelche-Nigger-Serie Cops arbeitete, von Polizeikugeln getötet wurde, obwohl er eine weiße Hautfarbe hatte. Alle weiteren Nachrichten aus dem sozialen Brennpunkt der westlichen Welt wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • schweißen wehrmacht: Sicherlich Kruppstahl.
  • lungensteckschuss definition: Wenn’s nicht mehr rauskommt, ist alles gut.
  • schaden himbeerbonbons in frühschwangerschaft: Wir setzen perorale Aufnahme voraus.
  • demenzheime in polen: Steinbach sucht schon?
  • weichstapler bedeutung: Oh, Herr Wulff?
  • scheiben bekleben in großburgwedel: Oh, Herr Wulff!
  • steissprellung was tun: Tja, Herr Wulff…
  • haderthauer stand der dinge: Seehofer versucht gerade nachzuweisen, dass sie nordkoranische eine Agentin war.
  • separatorenabfall: Pommes dazu?
  • waschbetonmauer verputzen: Pommes dazu.
  • :




  • In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCVII)

    30 08 2014

    Man legte Marina in Blace
    nach Kohlgenuss auf die Matratze,
    wo sie sich noch plagte
    und lautstark beklagte:
    „Ihr kocht, dass ich davon bald platze!“

    Als Adnan sein Häuschen in Kırka
    gebaut hatte, war er viel stärker
    als anfangs. Das machte,
    wie er selber dachte
    die Arbeit im Haus als Heimwerker.

    Man kennt Jasna nur in Arilje
    als schwarzes Schaf ihrer Familie.
    Wer von dieser Art wich,
    der fand sie recht artig
    und unschuldig wie eine Lilie.

    Wenn Marwan sich in Deir Seta
    zum Malen hinsetzt, wird es später.
    Er malt stets auf Rollen,
    und mehreren vollen
    begegnet man dort wie am Meter.

    Als Branko sich einst Užice
    ein Tier zulegt, fand man die Mieze
    im Sessel. Er wollte,
    dass man ihr nicht grollte
    und auch darum, dass man sie sieze.

    Es tanzte Herr Vestberg in Hjo
    durchs Haus. Doch er wirkte nicht froh,
    wie er sich auch streckte
    und warf und sich reckte.
    Der Grund war vermutlich ein Floh.

    Voll Zorn schleudert Nenad in Knić
    den Teller zu Boden. Nicht Kitsch
    noch schmerzende Muster
    sind schuld, all dies wusst er
    bereits. Ihr stört nur noch ein Ditsch.





    Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLV): Das Fitness-Studio

    29 08 2014
    Gernulf Olzheimer

    Gernulf Olzheimer

    Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

    Die sitzende Tätigkeit des Hominiden nimmt in erschreckendem Maße zu (sogar ehemalige Berufssportler wie Uli Hoeneß entscheiden sich dafür), der Mensch mit Bewegungsmangel erst recht. Er hat gerade noch so viel Zeit, seine Ziele zu verfolgen, wenn sie in unmittelbarer Nähe einer Tiefgarage liegen, zeigt sich dafür jedoch um so entschlossener, wenn er für etwas, das er nicht braucht, Geld bezahlen kann, weil er es nicht nutzt. Posthippe Personaler crosstrainieren in der Pause, das heißt: im Büro steht dieses nach drei Versuchen mählich einstaubende Dingsda, das durch zweimal Joggen und ein halb gelesenes Taschenbuch über Yoga abgelöst wurden. Wer als Lehrkraft (Deutsch und Sozialkunde) noch einigermaßen gegen die präsenile Endablagerung ankommen will, braucht einen individuellen Hantelplan, zeichnet aber meist innerhalb der ersten Wochen bereits eindrucksvoll seinen Leistungsabfall quantifizierbar hinein. Sie sind über Nordic Walking und Wassergymnastik hinweg, bekommen Weinkrämpfe beim Anblick eines Medizinballs, aber ihren Aufnahmeantrag fürs Fitness-Studio, den haben sie unterschrieben. Keiner von ihnen weiß, wo das Ding seitdem liegt.

    Wer den durchschnittlichen Trimmgulag betritt, findet in Reih und Glied ausgerichtete Apparate, in denen narzisstisch veranlagte Brezeln eingespannt sind, strampelnde Koordinationsversager, die sich zum Löffel machen. Sie lassen aufgesteckte Gewichte kreiseln, dass sich der Rahmen verzieht, unrhythmisch wippelnde Würste im PVC-Darm mit dem Mut des letzten Versuchs. Sollte nicht die Evolution ein anders zusammengeschwiemeltes Modell des Beknackten auf den Markt schmeißen, dann haben die Beug-, Spreiz- und Hampelübungen an diversen Maschinoiden lediglich den Effekt, dass die Muskelgruppen des Pumpheinis darauf optimiert werden, ebendieses Geraffel am Quietschen zu halten. Wann, beispielsweise bei einem Umzug oder vor den gestapelten Bierkisten eines Pokalfinales, wird der wirrlichternde Knorpelkönig seine Aufgabe durch vierzig Bizepsanspannungen im Sekundentakt lösen? Er müsste sein Kartönchen alle drei Treppenstufen absetzen, was einer Aufforderung zur Kastration gleichkäme. No way.

    Die im Stemmheim eingesperrten sind also erstens nicht viel mehr als zahlende Geiseln eines Egomanenparcours, der wie das grobmotorische Gegenstück eines Wittgenstein-Kongresses wirkt: die im Rudelkoma gefangenen Ledergesichter markieren vergrößerte Kontur, um ihre offenbare Unterlegenheit vor den Artgenossen möglichst lange zu verbergen. Nicht ihre Leistungsfähigkeit zählt, sondern der eiserne Wille, vor den anderen Teilnehmern der Dumpfdüsenmeisterschaft nicht hemmungslos abzustinken. Mit der Verzweiflung, die den Adrenalinopfern bis zum spontanen Augenausfall ins Gesicht gehämmert scheint, werden anderweitig Weltkriege bestritten – und da geht es wenigstens um nachhaltige Ziele.

    Der einzig verwertbare Nebeneffekt ist der zweite Anhaltspunkt, warum sich eine Rotte nach Stierlenkerausdünstung stinkender Blödblunzen in albernen Spielhöschen mit für die der englischen Sprache Mächtigen peinlich anmutenden Drucken zwängt, nämlich die Nachahmung des beim Maki wesentlich eleganteren Balzrituals, um auch den unteren Rand des Genpools noch zur Reproduktion zu bringen. Wie die Hohljodler zugleich verbissen Blut in die Extremitäten mangeln und dabei ihre intellektuelle Rezeption betätigen, so kann es nur auf den Totalausfall des Gierillas hinauslaufen. Nur vereinzelt gelangt ein komplett devitalisierter Depp zum Vollzug, meist bei einer geistig nur als Brennmaterial fürs Lagerfeuer geeigneten Zielperson, was bestätigt, dass niedere Arten sich am Geruch erkennen und ihre filigranen Symptome der Blödheit sensibel aufeinander abzustimmen verstehen. Die Natur besiegt doch alles.

    Oder auch nicht, denn der dritte Zweck ist und bleibt die Hauptquelle der Motivation, um das Epizentrum der Behämmerten regelmäßig wieder zu betreten. Nirgends gelangt der geneigte Laie schneller in den Besitz anaboler Aufblasmittelchen, die die Oberarme zu Schlauchbooten machen und nebenher den Perforationszustand der Hirnrinde pflegen. Für den Gegenwert eines tanzenden Schafes erhält der Dummklumpen mit den dicken Emboliezugängen Eiweißpülverchen, die bei konstanter Einnahme fast so viel Schmodder in die Fasern geben wie ein Schälchen Magerquark. Der Bescheuerte hat nur das Bestreben, auch so scheiße auszusehen wie die Hohlrabis auf Bodybilderchen, die überall an den Wänden der Gerätebude pappen. Untergeordnet, aber nicht vergessen bleibt das Ziel, sich dickere Herrenbrüstchen anzuimpfen als die anderen Fußhupen, und in seliger Verstrickung ist auch der virulente Wunsch, mit derlei Zeugs die erotische Ausstrahlung zu erhöhen – würden die Präparate nicht neben der Guttenberg-Wirkung auf die Adduktoren in schöner Regelmäßigkeit kleine Klöten machen. So gleicht sich alles aus. Sogar die Natur, die wenigstens zurückschlägt. Und das nicht einmal mit evolutionären Überraschungen.





    American Psycho

    28 08 2014

    „Also zunächst einmal drei Fachkräfte? Gut, das ließe sich machen. Da können wir der Kanzlerin jede Menge liefern. Sie sorgt ja für ausreichend Arbeitslose.

    Also heißt die Strategie Wirksam Regieren? Schon klar. Mit Gut Regieren würde die Industrie ihr ja auch sofort den Stuhl vor die Tür stellen und sie müsste es auf ihre alten Tage noch mit Erwerbsarbeit probieren. Oder Vernünftig Regieren, obwohl: nee, dann findet die CDU aus Versehen ihre Stasiakten und muss sie leider rausschmeißen.

    Verhaltensökonomische Kenntnisse? Das ist gut, das kann einem nicht schaden, wenn man mit der alten Schweinebacke zu tun hat. Man sagt, sie sei in ihrem Verhalten auch eher ökonomisch. Oder doch wirksam? Vernünftig wohl nicht.

    Ach so, Psychologen. Sagen Sie das doch gleich. Sie denken, Psychologen könnten das Verhalten der Wähler entsprechend dem Verhalten der Kanzlerin voraussagen? Da würde ich Ihnen doch lieber den Gang zum Wahrsager empfehlen. Oder zum Statistischen Bundesamt. Obwohl Ihnen da ein Psychologe nicht schaden würde.

    Sie brauchen psychologische und soziologische Fachkenntnisse? Das fängt ja schon mal gut an. Möglichst Promotion, mehrere Auslandssemester, Forschungsstipendien, Höchstalter zwanzig, und das alles als befristete Stelle für 450 Euro? nichts für ungut, aber ich kenne die Anforderungen der Bundesregierung, da kreuzen wir die Formulare schon mal entsprechend an. Für den Preis kriegen Sie vermutlich drei hervorragend qualifizierte Wirtschaftsflüchtlinge, die den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen.

    Was wollen Sie denn rausfinden? Jetzt mal Butter bei die Fische – die Kanzlerin macht doch keine ergebnisoffene empirische Studie, bei der am Ende die Wirklichkeit zu sehen ist. Hören Sie mal, verarschen kann ich mich selber. Haben sich Allensbach und Springer nicht einigen können, was die Deutschen – ja, gut. Allensbach und Springer und Bertelsmann. Amen.

    Handlungsorientiert, aha. Das ist ja mal neu. Deshalb vermutlich auch Wirksam Regieren. Stell Dir vor, Deutschland wird regiert, und keiner kriegt’s mit. Handlungsorientiert, das ist ja auch wieder so eine Sprechblase. An wessen Handlung ist das denn orientiert, und wer handelt da? Müssen wir selbst etwas machen? Und wenn ja, wieso nicht? Was kostet das den Steuerzahler? Können Sie mir vielleicht mal auf die Sprünge helfen?

    Anthropologische Kenntnisse, das ist spannend. Was ist der Mensch, und warum wählt dieser Knalldepp immer noch CDU? Bitte, ich frage nur. Sie wollen das Personal ja schließlich von uns, wir sind Ihr Dienstleister, aber wie sollen wir denn hier anthropologisch geschulte Psychologen finden, die für die Kanzlerin irgendeine wirksame Form von Regierung herzaubern? Bin ich David Copperfield?

    Heißer Tipp von meiner Seite: gucken Sie sich doch bitte vor dem Verfassen von Stellengesuchen kurz die Berufsprofile an. Das letzte Mal haben Sie einen Koch nach Hause geschickt, weil er keinen Pilotenschein hatte, davor war’s ein Sinologe ohne ausreichende Kenntnisse in Festkörperphysik, und jetzt drei Psychologen, die herausarbeiten sollen, warum achtzig Millionen die Kanzlerin trotz aller Täuschungsmanöver als Kanzlerin erkennen?

    Natürlich vermitteln wir auch internationales Personal. American Psycho könnte ich Ihnen gerade anbieten. Wir können allerdings nicht garantieren, dass die NSA bei der Auswahl ihre Finger im Spiel hat.

    Und Sie erwarten, dass durch vertiefte Situationsanalyse die Probleme mit der externen Kommunikation ausgeräumt werden? Gut, dann habe ich jetzt auch verstanden, warum Sie für die Kanzlerin unbedingt drei Psychologen wollen. Nicht für die Leute da draußen im Land. Für die Kanzlerin.

    Wir können gerne ganz neue Wege einschlagen, wenn Ihnen da schon etwas vorschwebt? Vielleicht vorerst vier Wochen mit der Motivationscrew? Bissel Feng Shui im Foyer? Aromatherapie für den Innenminister? Ich kann Ihnen auch Aromatherapie gegen den Innenminister liefern, das wäre die verfassungskonforme Variante, aber meinetwegen. Alternative Lösungsansätze? Wie soll das denn gehen? Wir sollen alternative Lösungsansätze erarbeiten, die als alternativlose Alternativen – wie gesagt, verarschen kann ich mich alleine, klar!?

    Sie wollen also eine Verständigungsoffensive, damit die politischer Vorhaben der Regierung wirksamer werden? Und gleichzeitig die Politik der Bundesregierung so weiterentwickeln, dass die Bürgerinnen und Bürger sie als aus ihrer eigenen Perspektive heraus gedacht empfinden? Lassen Sie mich da noch mal genau nachfragen: die Kanzlerin möchte also eine Beteiligung des Wählers, und dazu wünscht sie eine verhaltensökonomische Analyse des Wählerwillens, um anthropologisch korrekt handlungsorientiert vorzugehen? Die Kanzlerin braucht drei soziologisch geschulte Fachkräfte, damit sie die Zielgenauigkeit ihrer alternativlosen Maßnahmen besser mit dem abstimmen kann, was sie den Leuten vor der Wahl versprochen hat?

    Nee, lassen Sie mal. Die braucht keine drei Psychologen. Die braucht ein Hörgerät.“








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