Es musste so kommen

23 12 2014

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ja, es sieht etwas chaotisch aus, aber das kam so: Als Hildegard, und eigentlich war auch das nicht geplant, weil sie über die Festtage immer wegfährt, sie wollte wie gesagt Geschenkpapier mitbringen, Band hatte ich noch, und deshalb war das im Arbeitszimmer neben dem Schreibtisch, aber alles noch nicht eingepackt, und – nein, ich muss anders beginnen. Ich müsste überhaupt einmal beginnen, am besten ganz von vorne.

Mit den Geschenken, und eigentlich mit der Sitte des Schenkens. Weil wir inzwischen dazu übergegangen sind, einander mit großen, größeren, immer größeren Päckchen und Paketen und Kisten und Kästen zu überhäufen, die längst nicht mehr unter einen handelsüblichen Weihnachtsbaum passen. Was andererseits auch den handelsüblichen Weihnachtsbaum, nachfragebedingt sowie am Zeitgeist orientiert, wieder ein Stückchen größer macht, so dass inzwischen auch XXXXXL-Pakete darunter Platz haben, was die XXXXL-Päckchen eben zu klein aussehen lässt, mit dem Ergebnis, dass… – Was rede ich hier überhaupt, wir kennen das doch alle. Alle Jahre wieder. Bald werden wir alle in größere Häuser umziehen müssen, weil wir den Platz für die größeren Bäume brauchen, unter denen dann die größeren Pakete liegen können, die wir uns aber nicht mehr leisten können, da wir jetzt ja in größeren Häusern leben müssen.

Weihnachten ist, sehen wir der Sache ins Auge, vor allem ein betriebswirtschaftliches Problem.

Das fing damit an, dass Hildegard eben nur eine Sorte Geschenkpapier mitbrachte, ein durchaus sehr hübsches Muster mit roten Sternen auf goldenem Grund, dickes, voluminiertes Papier, das man knifft und klebt und zum Halten bringt, ohne sich die Finger daran aufzureißen, kurzum, das Verpacken würde dieses Jahr wirklich eine Freude sein. So dachte ich, und damit nahm die Sache ihren Lauf. Es waren auch die passenden Anhänger vorhanden, für jeden einen, um noch einen herzlichen Wunsch an den jeweils Beschenkten mitzuschicken, aber dafür muss man eben aufpassen und die Pakete nach dem Packen auch in der richtigen Reihenfolge verstauen, vorsortieren, ordnen, wenn man nicht, ich gebe es zu, zur komplizierteren, da einfacheren Lösung greift: ein Geschenk, beispielsweise graue Wollsocken im Doppelpack, liebevoll einschlagen, zukleben, mit Band und Schleife versehen, um eine traditionelle Verschnürung vorzutäuschen, den Anhänger zwecks eindeutiger Zuordnung an das Ding pfriemeln, dann das nächste Zeugs verpacken. Irgendwann verspürt man den Wunsch, das komplette Christfest einzutüten, um es en gros aus dem Fenster zu schmeißen, aber je nach Größe der Familie und Anzahl der Beschenkten ist es mit zwei oder drei Anfällen erledigt.

Dann aber nahm das Schicksal seinen Lauf. Hildegard, die das Konvolut vor dem Schreibtisch sah, montierte von links nach rechts die ihrer Ansicht nach passenden Anhänger an die Präsente. (Logisches Denken ist ihre Stärke, es sei denn, sie entscheidet sich unterwegs anders.) Und so fuhr sie getreu sämtliche Geschenke aus und gab sie ab, während ich je zwölf Flaschen 1995-er Wupperburger Brüllaffen und 1993-er Gurbesheimer Knarrtreppchen – die geneigte Leserin, der aufmerksame Leser wird beide als exzellente Tröpfchen kennen, weil sie schon öfters eine Rolle in meinem Salon gespielt haben – einlud und in den heimischen Keller spedierte. Ich also kam zurück, Senf hatte ich keinen dabei, dafür war auch noch nicht Heiliger Abend, und stellte fest, dass die Bescherung bereits stattgefunden hatte. Jeder hatte seine Gabe erhalten. Meinte Hildegard.

Die Bückler-Brüder, Küchenchef Bruno, den sie voller Respekt Fürst Bückler zu nennen pflegen, und sein Bruder Hansi, bedankten sich mit milder Ironie, da ich sie mit einer Nudelmaschine bedacht hatte. Endlich, teilte mir Bruno mit, würde er sich an komplizierte Gerichte wie Maultaschen wagen können, ohne dem Küchenjungen das äußerst gefährliche Wellholz erklären zu müssen. Aus dem Hintergrund hörte ich Petermann feixen, Entremetier und des Meisters rechte Hand, wie er sich zu Ostern ein Küchenmesser wünschte. Ich hatte den Schaden, der Spott folgte, und doch glaubte ich noch an einen dummen Zufall. Wie ich mich getäuscht haben sollte.

Denn kaum hatte ich die Tischreservierung bestätigt und eingehängt, da klingelte es schon wieder. Siebels, die graue Eminenz unter den TV-Produzenten, meldete sich vom Flughafen, da er zwischen den Jahren wieder einmal schnell dreizehn Folgen Traumklinik im Ozean oder ähnlichen Schrott abdrehte, um die Gebühren des laufenden Jahres zu verballern. Er war sehr angetan von seinem Geschenk, bedauerte aber, es aus Sicherheitsgründen hier deponieren zu müssen. Ob ich das nicht bedacht hätte. Ich war verwirrt. Bis mir auffiel, dass er das Schweizer Armeemesser bekommen hatte. Es passte, und das war noch das einzig Gute an der Sache.

Schon stichelte Hildegard. Dass ich auch keine individuellen Weihnachtsgeschenke zu machen bereit wäre, dass bei mir immer alles gleich aussähe und über einen Kamm geschoren würde. Kurz bevor ich dem Kristallaschenbecher ausweichen konnte, hatte ich noch gefragt, wer denn auf die Idee mit der einheitlichen Sorte Geschenkpapier gekommen war, aber da war die Sache schon so gut wie gelaufen. Sie hatte sich auf meinen Fehler mit den nicht genau gekennzeichneten Geschenken kapriziert, mir eine quasi sozialistisch anmutende Gleichmacherei unterstellt – „Rote Sterne! Du wirf mir noch einmal schlechten Geschmack vor, rote Sterne! Zu Weihnachten!“ – und schon nach einer Viertelstunde jede weitere Diskussion abgelehnt.

Was allerdings noch lange nicht meine Rettung war. Mandy Schwidarski, die noch immer höchst erfolgreich ihre Agentur Trends & Friends durch die Wogen der öffentlichen Aufmerksamkeit fuhr, teilte mir per SMS mit, dass sie sich schon immer einen Motorradkalender gewünscht hatte. Dass sie ohne die ansonsten typischen leicht bekleideten Damen, im Fachjargon als Fahrerzubehör bekannt, auskommen musste, monierte sie nicht. Ich hätte es wissen können.

Wir gut, dass ich mein inzwischen nicht mehr so halbwüchsiges Patenkind Maja mit regelmäßigen Zuwendungen bedenke und im Dezember die Zahlung leicht anpasse. Sie hat das Studium der Mathematik aufgenommen und bekommt wie zuvor mein Großneffe Kester, der gerade in theoretischer Physik promoviert wird, ihr Geschenk in guter Dosierung. So wird die Dankbarkeit auch nicht auf den Weihnachtstag beschränkt.

Sofia Asgatowna, Annes Perle, bekommt gleichfalls ihr Geschenk. Sie putzt zwar nicht bei mir, sorgt aber für Ruhe bei der Freundin und hat sich dafür eine Flasche vom guten, ja sehr guten Champagner verdient, den auch Staatsanwalt Husenkirchen nebst Gattin und Tante Elsbeth am letzten Adventssonntag erhalten. Da ist Ordnung.

Aber Anne, ach! fühlt sich schon wieder tödlich beleidigt. Ihr in hübsches Halbleinen gebundenes Handbuch des Königsgambit empfand sie als böse, ja bitterböse Geste, da sie sich mit dem Schach so gar nicht auskenne und diese Anspielungen auf ihren Beruf – sie ist nun mal Juristin, wenngleich eine sehr gute – strengstens verbitte. Ich habe es versucht. Ich habe alles versucht. Es half nichts, sie wird mich nicht mehr kennen. Sie fährt mit Hülsenbeck in den Weihnachtsurlaub, dieses Jahr in die Seealpen, und wird nicht vor dem zweiten Festtag mitten in der Nacht heulend vor meiner Tür stehen. Die Schokolade liegt schon bereit.

Trends & Friends rief noch einmal zurück, diesmal war es Minnichkeit, der sich brav, aber etwas verklemmt für die Heine-Gesamtausgabe bedankte (und fragte, wie lange er zum Lesen bräuchte). Ich habe keine Hoffnung, dass er sie je aus der Verpackung nimmt, und ich bereue, dass ich nicht die Lenin-Ausgabe in Kunstleder zum Bruchteil des Preises gekauft habe. Nicht gelesen ist nicht gelesen, und nur das Ergebnis variiert. Vielleicht ist das bei Heine sogar schlimmer.

Zwischendurch klingelte Sigune, die leicht unzurechnungsfähige Nachbarin. Sie musste wohl zwischen der Sprechstunde mit den Topfpflanzen und Feng-Shui-Möbelrücken eine freie Minute gefunden haben, jedenfalls freute sie sich über die exotischen Räucherutensilien. Dass es sich bei den chinesischen Pfeffern, Sumach und spreizender Melde nicht um Lufterfrischer handelte, kam gar nicht erst zur Sprache. Es würde in den nächsten Wochen nach kokelndem Kurkuma riechen. Was sollte ich nur tun.

Gerade plante ich einen längeren Aufenthalt am Südpol, da meldete sich Jonas. Er, der unter allen Umständen jung bleiben wollte, meckerte recht deutlich über meine Idee, ihm eine gebundene Gesamtausgabe des Teckelzüchter-Almanachs (1997 ff.) zu schenken. Ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Und überhaupt. Gut, dass Herr Breschke mit begeistertem Lob die Situation wieder rettete. Bismarck, der vierbeinige Freund des pensionierten Finanzbeamten, hatte die Leckerchen erst gar nicht anrühren wollen, doch Horst Breschke probierte eins und fand sie sehr schmackhaft. Seine Frau ebenso. (Seine Frau die Süßigkeit, damit hier keine Missverständnisse auftreten.) Gut so, die Mangobonbons waren nicht für sie bestimmt gewesen, aber immerhin hatte Breschkes Tochter sie auf einem Landausflug in Tunesien besorgt. Zollfrei.

Doktor Klengel bedankte sich für die Krawatte. Es klang wie ein auf den Anrufbeantworter gesprochener Formbrief.

Die Szene des Abends jedoch lieferte – als ob ich es noch betonen müsste – Hildegard. Als Lehrerin benötigt sie natürlich ab und zu eine Gedächtnisstütze, sie verfügt über einen dieser Ringbuchkalender, die man jährlich mit neuen Blättern befüllt, um sie in der Handtasche mit sich zu führen. Vermutlich war es das karierte Papier. Hätte ich sie je in einem unvorsichtigen Moment geheiratet, dies wäre die Scheidung gewesen. Was für ein Donnerwetter. Wenigstens war ich sie danach los, denn sie setzte sich sofort in den Wagen und fuhr. Es musste so kommen, und dass es so kam, macht die Sache nicht angenehmer.

Aber auch nicht unangenehmer. Reinmar, der beste Freund, der aus Kindertagen, der auch wieder für eine Partie Schach vorbeischauen wird, für einen Abend, an dem keine zehn Worte gesprochen werden müssen, fand die asiatischen Heilsteine sehr schön. Er meinte, er würde sie wohl in seinem Garten als Schmuck auf den Beeten einsetzen. Oder im Aquarium. Oder in einer Blumenschale. Ein gutes Geschenk erreicht immer den Menschen, dem es gilt.

Nur mein Kollege Gernulf Olzheimer, mein störrischer Gefährte, der noch immer Äxte sammelt und mit knirschender Feder seine Tiraden schreibt, der wollte nichts. Wir schenken uns nichts, und das gilt in jeder Hinsicht. Er bleibt mir ein weiteres Jahr verbunden. Das ist mir Geschenk genug.

Erschöpft sinke ich zurück. Was für ein Jahr, was für Sitten. Hätte ich das vorher gewusst ich hätte… – nein, ich hätte es nicht anders gemacht. Nichts davon. Sonst kann man das gar nicht machen. Und so soll es auch bleiben. Weshalb ich kurz Luft holen will, um ab Montag, den 5. Januar 2015, einen neuen Jahrgang zu beginnen.

Allen Leserinnen und Lesern, die dies Blog fast oder fast ganz immer und regelmäßiger als unregelmäßig oder doch nur manchmal oder aus Versehen gelesen, kommentiert oder weiterempfohlen haben, danke ich für ihre Treue und Aufmerksamkeit und wünsche, je nach Gusto, ein fröhliches, turbulentes, besinnliches, heiteres, genüssliches, entspanntes, friedvolles und ansonsten schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches Neues Jahr.

Beste Grüße und Aufwiederlesen

bee





Wo der Hammer hängt

22 12 2014

„Danke vielmals, sehr hübsch! Aber die können Sie wieder mitnehmen. Die brauchen wir nicht. Tanne ist okay, Kerzen auch, nur die Engel nicht. Unser Landesverband hat sich gegen die Christianisierung ausgesprochen. Wir machen da nicht mehr mit.

Natürlich ganz friedlich. Wir wollen von keinem indoktriniert werden, deshalb werden wir auch niemanden indoktrinieren. Und wir machen das auch komplett gewaltlos und gesellschaftlich total offen. Ja, glauben Sie jetzt wahrscheinlich nicht, aber das ist so. Wir demonstrieren zweimal die Woche abends für gesellschaftliche Akzeptanz unter besonderer Nichtberücksichtigung von Christentum und sogenannten christlichen Werten.

An sich betrachte ich Religion als Privatsache, aber wenn Sie schon fragen: meine Frau und ich haben so einen kleinen Thor-Garten hinter dem Haus. Da gucken wir uns bei Sonnenuntergang an, wo der Hammer hängt. Aber wenn Sie jetzt zufällig katholisch sind oder Pole oder schwul, meine Güte – gehen Sie halt mit. Nur weil es ein paar Idioten gibt, die gegen Religion demonstrieren und in Wahrheit alles hassen, was nicht stolz ist, deutsch zu sein, können wir uns doch kulturelle Integration leisten, oder?

Gut, dann ist das eben schräg. Sie sägen sich Äste von einer Tanne ab, ich pflanze lieber einen ganzen Baum. Betrachten Sie sich jetzt auch als kultivierter, weil ich in meinen Baum keine elektrisch betriebenen Lichterketten hänge? Und wenn ja, würden Sie diese elektrisch betriebenen Lichterketten als christlichen Wert im engeren Sinn bezeichnen wollen?

Meine These ist, dass die Christianisierung dem ganzen Kontinent schweren Schaden zugefügt hat. Die Ethnien haben alle mehr oder weniger friedlich miteinander gelebt, und dann kam die Kirche mit ihren politischen Marionetten, getarnt als Kaiser, und hat mit Gewalt alles getauft oder geschlachtet. Nicht immer in dieser Reihenfolge. Und was man nur mit Gewalt in seinen Besitz bringen kann, muss man auch ständig mit Gewalt beherrschen.

Ganz nebenbei sollten Sie sich mal klarmachen, was so eine Christianisierung für negative Folgen für das Gemeinwesen hat. Sonntagsarbeit? Können Sie knicken. Tanzverbot an kirchlichen Feiertagen, was der Gastronomie da an Einnahmen durch die Lappen gehen! Und diese ständige Einmischung ins Arbeitsrecht, bei kirchlichen Krankenhäusern zum Beispiel. Wir dürfen den ganzen Zauber bezahlen, und die wollen den rechtlichen Rahmen bestimmen. Glauben Sie denn, wir lassen uns alles gefallen? Oder hier, Feiertage! In den katholischen Ländern wird doch nur noch sporadisch gearbeitet!

Überhaupt, die Arbeit. Wer hat uns denn diese verdammte Arbeitsethik eingeprügelt? Das waren sicher keine durchreisenden Buddhisten. Immer mehr arbeiten, immer schneller, und immer billiger, immer noch Wachstum und Beschleunigung und Inflation, und dann fällt das Geld sowieso nach oben, und die erzählen dann den Arbeitern, dass man von Arbeit reich wird. Wer hat sich denn diesen Blödsinn überhaupt ausgedacht?

Nee, wir sind hier überhaupt keine religiösen Fanatiker. Krause aus der Buchhaltung war neulich mal auf so einem Walhalla-Seminar, und unsere Empfangsdame macht in ihrer Freizeit ab und zu etwas Wicca. Ansonsten sind wir alle relativ agnostisch, genauso wie diese U-Boot-Christen, die nur einmal im Jahr in der Kirche auftauchen und dann wieder weg sind. Sie können hier gerne auch als Mormone oder als Sikh arbeiten, aber ersparen Sie uns bitte jegliche Missionierungstätigkeit. Sie sind dann sehr schnell wieder weg.

Vor allem diese Vereinnahmung unserer Kultur, die nehmen wir denen übel. Sie finden doch nichts mehr, was die Christen nicht komplett übernommen und für sich umgestrickt haben. Schauen Sie sich unser schönes winterliches Lichterfest an, was haben die nur daraus gemacht? Ein dicker Mann im roten Bademantel mit ein paar Engeln, drei Provinzfürsten, das ist doch der Gipfel der Geschmacklosigkeit! Und Ostern erst – ein in ganz Europa, jawohl! Europa! verbreitetes Fest von Fruchtbarkeit und Vegetation und Mütterlichkeit, und dann kommen die mit dieser Kannibalismus-Show. Oder Samhain, das haben unsere keltischen Nachbarn gefeiert – wir sind keine von diesen sächsischen Knalltüten, wir wissen auch, was außerhalb unseres Landes vor sich geht – und dann haben die Christen daraus Allerheiligen gemacht, und jetzt kommen diese angeblich christlichen Populisten aus den angeblich christlichen Parteien und wollen uns Halloween verbieten, weil das eine Zerstörung ihrer christlichen Werte bedeutet.

Dann nennen Sie mir doch mal ein paar spezifisch christliche Werte. Aber bitte nicht solche, die man auch in einer ganz durchschnittlichen Brahmanenfamilie finden könnte oder in einem persischen Dorf. Und wenn Ihnen zufällig welche einfallen, die nicht nur als Postulate in der Predigt erscheinen und im Alltag keinen nennenswerte Bedeutung haben, dann immer her damit. Falls Ihnen auch christliche Politiker aus christlichen Parteien einfallen, die diese christlichen Werte mal praktisch umgesetzt hätten, dann wäre ich Ihnen sehr zu Dank verbunden.

Haben Sie heute noch etwas vor? Ach, schade. Na, ich will Sie nicht weiter stören. Dann noch viel Spaß beim Einkaufen und frohes Fest. Welches auch immer.“





Den Turbokapitalismus in seinem Lauf…

21 12 2014

… halten weder Ochs noch Esel auf. Sigmar Gabriel, der Körper eines Ochsen gefangen im Verstand eines Esels, versucht es gar nicht, sondern macht noch einmal klar, wozu es in Deutschland eine Regierung gibt. Er verspricht Finanzkonzernen – das sind die, die man seit Menschengedenken als Anbieter von Wasser, Elektrizität und Kliniken kennt – utopische Renditen, wenn sie Infrastruktur betreiben wollen. Wozu brauchen wir noch TTIP, um für explodierende Straßenpreise bröckelnde Autobahnen zu bekommen. Merkel hätte gleich Ackermann behalten sollen. Von dem wusste man wenigstens, dass er gerne ganze Volkswirtschaften ruiniert, um sein eigenes Konto aufzupusten. Alle weiteren Anzeichen, dass dieses Land keine Feinde mehr von außen braucht, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • korken armbrust bauanleitung: So kriegen Sie die Flasche nie zu.
  • kordelseife: Falls man vor der Strangulation noch duschen möchte.
  • konsumterror mittelschicht: Schließen Sie sich der Unterschicht an, die leiden nicht so unter dem Negativzins.
  • rothaarviren: Ist Ulla Schmidt noch auf freiem Fuß?
  • drehsymmetrisch einbahnstraße: Ab 2,0 Promille verfestigt sich das Rotationszentrum.
  • drehsymmetrisch verbot der einfahrt: Ab 4,0 Promille ist auch das wieder weg.
  • penisverlängerungsaufsatz: Schreibt Diekmann noch Leitartikel?
  • fleischwolf aluminium giftig: Warum füllen Sie auch Aluminium in Ihre Wurst.
  • fremdwort bierdeckelsammler: Molekularbierologe.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCXXIII)

20 12 2014

Es stand Kamil hungrig in Budisch
am Imbiss und sprach: „Wenn im Nu frisch
sind Hering und Scholle,
trink ich ich eine Molle,
das reicht. Wenn Du willst, dann iss Du Fisch.“

Frau Almesjö fürchtet in Jokkmokk
bei ihren drei Töchtern den Schockrock.
Doch ist es tatsächlich,
viel mehr auch gemächlich
sich zeigend, ein halblanger Rockschock.

Es sah Frau Yvette in Neusohl
im Zimmer des Sohns ein Idol.
Das war goldbepinselt,
da man danach winselt,
und außerdem billig und hohl.

Wenn Eamon auftischte in Howth,
war dies ein besonderer Schmaus.
Doch ließ er Salate
und Grün, wo er sparte,
meist aus. Er aß nie eineLaus.

Veronika kochte in Zigel
zu Weihnachten. Aus ihrem Tiegel
nahm sie (wie die Mutter)
nur ganz frische Butter
sowie manches Ei vom Geflügel.

Nikolče war’s, der in Sopište
im Eimer sich Eiswürfel mischte
mit Steinsalzkristallen,
das Beste von allen,
was ihm seine Füße erfrischte.

Herr Kaščák, der aus Unterelefant,
er blieb, da er die Ukulele fand,
ein Freund ja des Spielens,
das macht, da des Fühlens
sein Herz er dran und und seine Seele band.





Weihnachtstexter

19 12 2014

Freitagstexter

Es begab sich aber zu der Zeit, dass der Freitagstexter ausgerufen ward, und ein forscher Besen kehrte ein, und die Ofentür stand offen, und Frau Dinktoc vergab einen Pokal, und siehe, sie sahe, es war ein Fest, und das war gut so.

Wie auch immer: herzlich willkommen zur neunzehnten Ausgabe des kleinen Wettbewerbs um die speziellste Bildbetextung in diesem Blog. Wir haben wie immer keine nennenswerten Regeln – wer einmal schreiben will, darf einmal schreiben, wer dreimal will, kann auch gerne fünfmal – und halten uns ansonsten an die Gewissheit, dass auch diesmal wieder jemand gewinnen wird.

Reime sind wie immer zugelassen, nicht nur zur Weihnachtszeit, aber auch Prosa und epische Fragmente können eingereicht werden. Wer seinen Text tanzen will: bitte kurze Nachricht, ich schreibe dann mit.

Das speziell Festliche an diesem Freitagstexter ergibt sich daraus, dass die Bildunterschriften am Dienstag, den 23. Dezember 2014 um 23:59 in den Kamin geworfen werden müssen. Die Begutachtung vollzieht sich so, dass am Heiligen Abend bzw. Mittag die in schimmerndem Golde gewandete Siegestrophäe überreicht werden soll. Ein erstes Weihnachtsgeschenk also.

Und noch etwas, das speziell festlich ist, hat sich die Frau Dinktoc gewünscht: ein schön weihnachtlich eingepacktes Geschenk. Hinter dem bunten Papier erscheint nach dem Klicken das Wettbewerbsbild, vermutlich von Reuben Saidman im Jahr 1938 aufgenommen und im National Media Museum auf einem Glasnegativ verwahrt.





Autobahn

18 12 2014

„… die Einführung der Autobahnmaut zu einer schweren Regierungskrise geführt habe, die in der Regierungskoalition dennoch keine bleibenden Schäden…“

„… keine erwartbaren Zahlen ausländischer Autofahrer auf deutschen Straßen. Das Ergebnis habe jedoch auch daran gelegen, dass das Erfassungssystem unmittelbar nach dem Start nicht mehr funktionsfähig gewesen sei. Mehdorn weise jede Schuld von sich und werde so schnell wie…“

„… erst um den Anfang handle. Lucke sei nicht ausländerfeindlich, er werde jedoch nicht eher ruhen, bis der letzte Ausländer von Deutschlands mautpflichtigen Straßen…“

„… und nicht bedacht, dass es keine EU-weit einheitlichen Autokennzeichen gebe. Eine Fehlerquote von über 85% bei der Erfassung, so Seehofer, zeige deutlich an, dass Bayern dem Rest der Europäer technisch weit überlegen…“

„… zu erheblichen Verzögerungen komme, da die Grenzkontrolleure die Kennzeichen der ausländischen Kraftwagen händisch aufschreiben müssten. Ein Rückstau von zwei bis drei Tagen sei durchaus keine…“

„… eigentlich zu einer Pressekonferenz eingeladen habe, um die stalinistisch-homosexuelle Zerstörung der heiligen BRD GmbH anzuprangern. Pirinçci habe nach einem längeren Touretteanfall, von dem nur Autobahn zu verstehen gewesen sei, keine weiteren…“

„… nicht dem EU-Recht entspreche. Das Notieren der Kennzeichen mit Papier und Bleistift müsse nun auch bei inländischen…“

„… eine Mautausnahme durch bayerische Fabrikate nicht geben könne, erst recht nicht, wenn diese im Freistaat zugelassen…“

„… um einen messbaren Faktor rückläufig sei. Besonders im grenznahen Bereich verzichteten ausländische Spediteure darauf, die Waren direkt beim Erzeuger zu…“

„… eine erhebliche Panne in der technischen Infrastruktur. Laut Bundesinnenministerium sei die versehentliche Speicherung der Kennzeichen jedoch nicht versehentlich, sondern…“

„… kein Rede davon sein könne, dass Bundestagsabgeordnete, Mitglieder der CSU sowie die Familien Dobrindt, Seehofer, Merk und Haderthauer von der Zahlung der Abgabe ausgenommen würden, da sie den Straßenverkehr ausschließlich zum Wohl der deutschen Bevölkerung…“

„… der Warenverkehr drastisch eingebrochen und die Exporte dramatisch zurückgegangen seien. Lucke habe dies auf dem AfD-Bundesparteitag als großen Schritt zur wiedererlangten Souveränität der BRD gefeiert, der den deutschen Staat näher an die historisch so oft schon geforderte Autarkie des…“

„… noch viel erheblicher. So würden die versehentlich nicht gelöschten Daten, die laut Bundesregierung gar nicht erhoben würden, direkt in die USA weitergeleitet, wo sie zur Aufklärung von terroristischen…“

„… mit heruntergelassener Hose auf der A1 in Höhe der Anschlussstelle Wildeshausen-West gesichtet worden sei. Den deutsch-türkische Schriftsteller habe wenig später ein aus Anatolien kommender Schweinetransporter frontal…“

„… sehr viel größere Rechtsverstöße. Die gar nicht erhobenen Daten, die sofort gelöscht würden, bevor man sie in die USA weiterleite, dienten im Wesentlichen nicht wie vorgesehen Facebook, sondern würden von Amazon gegen mehr als zehn Milliarden Dollar pro…“

„… die Kfz-Steuer einfach aufzugeben, um die Maut als Ersatz von deutschen Autofahrern einzutreiben. Seehofer habe bereits angekündigt, sich bis zur letzten Patrone gegen eine Vereinfachung des bundesdeutschen Steuer- und Abgabensystems zu…“

„… müsse man schon deshalb über eine Abschaffung der Netzneutralität in Deutschland nachdenken, weil die Kfz-Daten auf einer einfachen Internet-Leitung viel zu langsam am Ende der Überwachungsstrecke ankämen, um in der Zwischenzeit die strafrechtlich relevanten…“

„… dass es sich bei der zweiten Leiche um Eva Herman…“

„… sich Dobrindt lobend geäußert habe, dass nicht nur fünf, sondern fast zehn Prozent der Kosten für den Betrieb des Mautkontrollsystems durch die Infrastrukturabgabe abgegeben werden könnten, was alle Lügenmärchen der linksgrünen Opposition ganz entschieden…“

„… rechtlich unmöglich sei, die Infrastrukturabgabe als neue Steuer zu handhaben. Lucke lehne es entschieden ab, dass Ausländer in den Genuss deutscher Steuern kämen, auch wenn sie diese nur zahlen und nicht…“

„… durch eine Panne, die sich im Nachhinein als große Arbeitserleichterung erwiesen habe. So speichere das Mautsystem die Autokennzeichnen bereits mit den dazugehörigen Haltern – Vor- und Zuname, Geburtsort, Geburtsdatum, ladungsfähige Anschrift, Steueridentifikations- und Personalausweisnummer – obwohl diese Quelle von der IT-Abteilung nicht wissentlich in den…“

„… Mitglieder von Bundes- und Landesregierungen (mit Ausnahme von Thüringen) automatisch von der Erfassung ausgenommen…“

„… für mehr als zehn Jahre gefährdet, ein ausgeglichener Bundeshaushalt sei damit auf lange Sicht nicht mehr möglich. Schäuble halte allerdings die Idee einer Internetsteuer für zielführend und wolle sie noch im Laufe der Woche im Kabinett…“





Naturbelassene Schönheit

17 12 2014

„Wir nehmen den da. Nein, nicht den. Den da hinten. Genau den.“ Der Händler griff ein bisschen missmutig in die Schar der Weihnachtsbäume, als hätte Hildegard gerade versucht, ihm den Star des Sortiments, die einzige nicht verkäufliche Tanne zu entreißen. Sie war groß, sogar für die ansonsten doch eher schlank und dafür kurz bis mickerig und irgendwie gedrungen und eher klein gewachsenen Bäumchen, insgesamt zwei bis drei Köpfe größer als die anderen. „Wir stellen das Ding dies Jahr auch nicht aufs Podest“, befand die Gefährtin, „das haben wir ja bei Breschkes gesehen. Am besten ist immer noch die Natur, vollkommen unberührt. Also naturbelassene Schönheit.“

Das Manöver mit dem Netzschlauch hatte das Feiertagsgehölz halbwegs unbeschadet überstanden, doch schon das Verlasten auf den Dachgepäckträger brachte Hildegard in Rage. „Hier sollten Schlaufen sein“, nörgelte sie. „Warum sind denn hier keine Schlaufen?“ Meinen Vorschlag, nächstes Jahr einen Baum mit Schlaufen im Stadtwald zu suchen, an Ort und Stelle selbst zu schlagen und dann nach Hause zu transportieren, ignorierte sie schlicht. Den Hinweis, dass es sich bei diesem Gepäckträger um den eigenen handelte, der zufällig auf ihrem Wagen angebracht war, nahm sie auch nicht zur Kenntnis. Sie ließ mich nur wissen, dass sie nun schnellstens nach Hause wollte.

Eine Viertelstunde später standen wir vor dem Haus, das mir seltsam bekannt vorkam. Richtig, schoss es mir durch den Kopf, hier wohnte ja ich. „Ein bisschen schneller“, befahl Hildegard, „ich will heute noch fertig werden mit dem Baum.“ Ich seufzte. Warum musste ich auch ins Dachgeschoss ziehen, wenn sie einen Tannenbaum dorthin haben wollte. Einen großen Tannenbaum. Einen großen, stark pieksenden Tannenbaum, der aus reiner Bosheit schon jetzt zu nadeln begann.

„Etwas weiter rechts“, kommandierte sie. „Nein, so viel nicht – nur etwas.“ Das Gewächs ragte mir ins Gesicht. Hildegard stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf. „Jetzt stell Dich doch nicht so an!“ Gut, dass ich den Baum sah und nicht sie. „Du musst ihn auf der Treppe ein bisschen drehen.“ „Also die Spitze nach unten“, knurrte ich. Sie verstand es nicht. „Natürlich nicht, wozu kaufe ich eine schlanke, gerade gewachsene Tanne – um ihr dann diese harmonisch gewachsene Spitze abzukneifen?“ Ich hätte wetten mögen, dass dieser Frage ein rhetorischer Unterton innewohnte.

Noch vor Einbruch der Dunkelheit hatten wir das Dachgeschoss erreicht. Der Baum stand vor der Tür und ich vor dem Baum. „Ins Wohnzimmer“, überlegte Hildegard, „oder stellen wir ihn erstmal ins Arbeitszimmer?“ Meine Idee, ihn vom Balkon wieder in den Innenhof zu befördern, weil er sich an der nächtlichen Winterluft länger frisch halten würde, perlte an ihr ab. Oder ich hatte es eine Spur zu leise gesagt. Immerhin durfte ich meine eigene Wohnung aufschließen, was nicht so ganz einfach war. Ich stand ja, wie gesagt, hinter dem Baum.

Der Fuß, frisch abgesägt oder eben auch nicht, hatte auf dem Treppenabsatz einen kleinen Flecken hinterlassen. „Das kriegt man ganz einfach mit – Vorsicht!“ Instinktiv riss ich die Tanne an mich. Hildegard schüttelte sich, die Tanne auch. Doch nur sie verlor dabei eine Menge Nadeln. „Du wärest fast an die Lampe gestoßen“, sagte sie voller Sorge. Scherben im Flur, das hatte mir noch gefehlt. Allein ich musste sie falsch verstanden haben. „Die Spitze“, flehte Hildegard, „pass auf die Spitze auf!“ Ich hielt den Baum schräg. Wie mit einer Rakete, vielmehr: einem festlich begrünten Rammbock voraus stapfte ich ins Wohnzimmer. An der Tür hielt ich an. „Es passt nicht“, stellte ich fest. Der Baum war zu hoch, genauer: er war sehr viel zu hoch. Immer vorausgesetzt, Hildegard hatte sich nicht längst für Schräglagerung entschieden.

Wer sie kennt, hätte es nicht befremdlich gefunden, dass sie mir das Ding energisch aus den Armen wand und damit resolut ins Zimmer ging. „Pass auf“, warnte ich, denn schon hinterließ das Bäumchen eine beträchtliche Nadelspur auf dem Teppich. Eine abrupte Drehung, Hildegard in zentraler Position, der Baum als Ausleger, ein Mittelast in zentrifugaler Stellung, und das Nadelbett ergänzten zartblaue Splitter. „Das Murano-Schälchen“, heulte ich auf. Zwei hatte sie schon zerstört, beide auf ihre Art unwiederbringlich und ein geliebtes Souvenir aus der Lagunenstadt. „Was lässt Du das auch auf dem Flügel stehen“, gab sie indigniert zurück. „Außerdem war das nicht ich, sondern der Baum.“

Genau einen Quadratmeter hatte ich frei für den Weihnachtsbaum. Sie nahm Maß. Traute ihren Augen nicht. Lief rot an vor unbändigem Zorn. „Die Spitze!“ „Wir können ihn natürlich auch unten ein bisschen kürzen“, tröstete ich sie. „Den halben Meter sieht man nicht.“ Wobei das Ding parterre bereits derart genadelt hatte, dass man ein weiteres Tiefgeschoss nach dem Sägen würde entfernen müssen, und noch eins, und noch eins, und noch eins. Bei Breschkes sah so ein kleines, preiswertes Bäumlein preziös aus. Breschkes besaßen allerdings ein schmuckes Podest. „Man könnte“, überlegte ich, „die Spitze eine kleine Idee kappen.“

Der Transport ging relativ schnell. Hildegard zog die Balkontür mit einem Ruck wieder zu. Der Baum stand wieder im Grünen. Kein Wunder, beim Aufprall hatte er sich auch einer größeren Menge an Nadeln entledigt. Nur noch edler, schlanker Wuchs blieb dem Weihnachtsschmuck. Wenn man ihn so von oben sah, er war wirklich eine naturbelassene Schönheit.








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