Copy & Paste

11 01 2011

„Was erwarten Sie denn von einem verlogenen Drecksack? Von einem versoffenen Hampelmann, der alles flachlegt, was nicht bei drei auf dem Baum hockt, der mit seinen Naziparolen mühsam darüber hinwegtäuschen will, was für ein elender Versager er ist? Von einem abgehalfterten, korrupten Deppen, ohne Wirtschaftskompetenz, ohne die geringste Ahnung von Fiskalpolitik, ohne Grundwissen von Europa?“ „Hören Sie mal, wie reden Sie denn über Seehofer!“ „Interessant. Ich meinte Orbán.“

„Meinen Sie nicht, dass Sie etwas übertreiben?“ „Keinesfalls. Wir sind wieder so weit, die Ungarn spielen den Minensuchhund. Sie sondieren das Gelände, der Rest wird nachziehen.“ „Ich glaube, Sie dramatisieren das. Wenn Sie die Pressefreiheit meinen, die wird doch in der EU sowieso nicht mehr ernst genommen.“ „Und? Ist das ein Grund, diese beiden Zwerge in Frankreich und Italien machen zu lassen, was ihnen in den Kram passt? Die Grundrechte werden mit Füßen getreten und Sie denken, es sei nicht so schlimm, wenn es nur alle tun?“ „Das habe ich nicht gesagt. Die plötzliche Empörung ist übertrieben. Viktor Orbán ist nicht das personifizierte Böse, er macht genau dasselbe, was man jahrelang in Frankreich und Italien, in Großbritannien und in Deutschland auch hätte anprangern können.“ „Aber er tut es nicht umsonst. Und er weiß es.“ „Woraus schließen Sie das?“ „Wenn ein Regierungspolitiker…“ „Gut, nominell zählt Seehofer zur Regierung. Inhaltlich weniger.“ „… die Wirtschaftspolitik in Ungarn lobt, dann handelt es sich entweder um ein Versehen…“ „Was in Anbetracht von Seehofers Kompetenz auch nicht verwunderlich wäre.“ „… oder um den Versuch, der Politik Sand in die Augen zu streuen.“ „Weil die EU Ungarn schon mal vor einem Staatsbankrott gerettet hat.“ „Weil Ungarn nach der Rettung sofort wieder angefangen hat zu zocken und die Profiteure der Krise noch reicher zu machen.“

„Und Sie denken, Ungarn sei letztlich noch ein Entwicklungsland?“ „Allerdings. Und zwar eines, in dem ein Politikmodell für Europa entwickelt wird. Bis zur Serienreife.“ „Dann wundert es mich, dass Sie bei den Einschränkungen des Presserechts nicht vorher reagiert haben. Wie gesagt: Italien und Frankreich.“ „Aber hier können Sie es systematisch studieren. Die Wirtschaft, die soziale Ordnung, die Bürgerrechte, als Krönung der Rassenwahn. Orbán ordnet die Faktoren an wie in einem Feldversuch. Sein Biotop dient der Züchtung einer politischen Ordnung.“ „Warum fängt er dann unmittelbar vor der Übernahme der Ratspräsidentschaft mit einem Verstoß gegen die Wertvorstellungen der EU an?“ „Um den anderen vorwerfen zu können, dass sie bisher die Regeln auch nicht besonders ernst genommen haben.“ „Sie meinen, die Überprüfung der geplanten Zensurinfrastruktur sei nicht nur eine Rechtfertigung gewesen, um seine eigene Agenda zu verharmlosen?“ „Er weiß, dass er sich nicht den Wertvorstellungen der EU unterwerfen wird, also macht er sich selbst zum Maßstab – mit dem Einverständnis der Gemeinschaft.“ „Ich verstehe, Ungarn ist also die Ausnahme von der Regel.“ „Und wenn man einmal eine Ausnahme macht, dann ist die Regel hinterher hinfällig, auch für die, die sich ihr bisher beugen mussten. Eine Heuchelei für die Öffentlichkeit auf der Galerie.“

„Welche Konsequenzen werden wir von der Euro-Politik zu erwarten haben?“ „In erster Linie gibt es uns Freiheit, den Sparkurs weiterzuführen. Wir werden den Sozialstaat alternativlos schleifen, weil wir sehen, dass wir mit einer gerüsteten Miliz im Innern jegliche Widerstände ersticken können, wenn wir klare Feindbilder haben.“ „Deshalb die terroristische Bedrohung auf dem Weihnachtsmarkt und ein Päckchen ins Kanzleramt?“ „Unsinn, wir werden heimlich, still und leise den Rassismus aus der Versenkung holen.“ „Das glauben Sie doch selbst nicht. Deutschland und Rassismus?“ „Ungarn geht voran. Sie übernehmen das Geblütsrecht der Nationalsozialisten und erklären alle zu ungarischen Staatsbürgern, die eine Blutsabstammung geltend machen können.“ „Das haben die Nazis in Polen und Böhmen schon erfolgreich praktiziert.“ „Eine elegantere Methode der Expansion hätte sich nur Sarrazin als Gröfatzke mit genetischer Blutsuppe ausdenken können.“ „Das wird Deutschland nicht dulden.“ „Fidesz kann sich der Freundschaft der Unionsparteien nicht erwehren, und es wäre schon erstaunlich, wenn eine CDU, die völkerrechtwidrig Roma ausweist, plötzlich anfinge, die völkischen Vorstellungen der Ziehkinder zu kritisieren.“

„Haben Sie eine Vorstellung, was das ergeben wird? Für ein Terrorregime werden sie ja wohl nicht werben.“ „‚Arbeit, Heim, Familie, Gesundheit und Ordnung werden die Tragsäulen unserer gemeinsamen Zukunft bilden‘ – das klingt doch gut?“ „Sogar für eine CDU-Kampagne reichlich verkalkt, aber wenn sie ihren Absteig mit Pofalla als Kanzler planen?“ „Das ist die Programmatik der ungarischen Opposition.“ „Opposition?“ „Aber ja, den neoliberal-antisozialen Präventivstaat haben die jetzigen Machthaber mit der Union abgestimmt, als Fidesz noch nicht an der Macht war. Sie haben abgewartet, was sich entwickelt. Jetzt kopieren sie, was sich entwickelt. Copy and Paste. Nützliche Idioten haben die Drecksarbeit gemacht, sie dürfen gegen Homosexuelle, Roma und Juden hetzen, gegen Ausländer, Arbeitslose und Behinderte. Sie dürfen ausprobieren, bis wohin sie zu weit gehen dürfen. Ihre Ziehväter werden es ihnen danken; Merkel wird ein wenig augenzwinkernd auf den Nebenkriegsschauplatz mit dem Presserecht zeigen, der Rest der Union wird mitgrölen im Chor der Rechtsrücker und eine Verfassungsänderung nach der anderen durchdrücken wollen, um christliche Leitkultur gegen die Migranten zu setzen.“ „Was für eine geisteskranke Idee – wenn sie Angst vor drohender Überfremdung heraufbeschwören, wie können sie dann daran glauben, dass ihre eigene Kultur stark und durchsetzungsfähig wäre?“ „Na, jetzt stehen Sie Orbán aber auch schon ganz schön kritisch gegenüber.“ „Wer spricht von Orbán? Ich rede von Horst Seehofer!“


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2 responses

11 01 2011
Doktor Pé

Orban? Seehofer? Wieso nicht Berlusconi?

11 01 2011
bee

(Vordergründig müsste ich sagen, dass ich ungern über Innenpolitik in anderen Staaten schreibe, weil ich immer das Gefühl habe, die wichtigsten Zusammenhänge aus meiner Perspektive gar nicht richtig beurteilen zu können, aber das nur nebenbei.)

Berlusconi verscheuert das Land als Morgengabe an ein paar Großkonzerne, die ihm dafür auf der Speichelspur hinterherrutschen und ihn mit Dividenden und 15-jährigen Mädchen bezahlen. Aber er regt sich nicht über die Rechtsfront-Regierung in Ungarn auf, weil er weiß, dass seine Kritiker ihn dafür vom Podest schießen würden. Und er ist auch nicht sonderlich an starken osteuropäischen Partnern interessiert. Seehofer ist da schmerzfrei, er macht sich freiwillig zum Vollhorst und brilliert als von jeder Sachkenntnis ungetrübter Schwätzer. Dass ausgerechnet die Union sich als Hüter der Moral aufspielt, ist ein Treppenwitz; Deutschland sollte sich in der letzten Ecke verkriechen.

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